Der Rote Gott - Stalin und die Deutschen

Ein liegender Koloss am Eingang des Ausstellungsgebäudes – das ist der erste Eindruck, den man in der Gedenkstätte Hohenschönhausen von Josef Wissarionowitsch Stalin bekommt. Gefunden wurde die Figur in Ulan Bator, der Hauptstadt der Mongolei, eine Skulptur aus einer Serie, mit der dem großen Führer im gesamten Ostblock gehuldigt wurde.       

 

Die Sonderausstellung „Der Rote Gott – Stalin und die Deutschen“ widmet sich dem nun diesem Personenkult um den sowjetischen Diktator in der frühen DDR.

 

Dass die Statue liegend präsentiert wird, ist natürlich Symbol, welches die heroische Ausstrahlung Stalins brechen soll. Denn Stalin gehört zweifellos zu den schlimmsten Massenmördern der Geschichte, wurde aber in den Anfangsjahren der DDR als „größter Genius unserer Epoche“ vergöttert.

 

Massenaufmärsche, Stalin-Denkmäler und überlebensgroße Porträts des Diktators an Hauswänden bildeten die Instrumente einer zentral orchestrierten Propaganda. Industriebetriebe, Straßen, sogar eine Stadt wurden nach Stalin benannt, Kombinate und volkseigene Betriebe leisteten „freiwillige“ Überstunden um Geschenke für den großen Führer zu finanzieren, die dieser natürlich niemals zu Gesicht bekam. Auch die Pläne, wie Berlins Mitte zugunsten von stalinistischen Prachtbauten und Aufmarschplätzen abgerissen werden sollte, werden dokumentiert.

 

Darüber hinaus präsentiert die Ausstellung die Anfänge der KPD, das russische Exil der deutschen KPD Führung im Moskauer Hotel Lux während des Dritten Reichs und deren Schulung durch die KPDSU, aber auch die Schicksale von Deutschen, die seit 1945 im Osten Deutschlands zum Tode verurteilt wurden, weil sie die reine Lehre hinterfragten oder eine größere Unabhängigkeit der SED Führung von Moskau befürworteten.  

 

Zu sehen sind auch Propagandafilme, in denen Ulbricht und andere DDR Führer Lobreden auf Stalin halten, die Feier zu Stalins siebzigsten Geburtstag oder FDJ-Veranstaltungen, die sich dem Personenkult widmeten. Weitere Exponate zeigen Fotos, aus denen ehemalige Weggefährten des Diktators wegretuschiert wurden, weil sie in Ungnade gefallen waren, wie etwa Leo Trotzki, aber auch Gedichte, die z.B. Weinert über Stalin schrieb und Bücher, die Stalin, sein Leben und sein Genie heroisierten.

 

Ein derartiger Personenkult ist aus heutiger Sicht zwar kaum mehr nachvollziehbar. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, warnt in einem Interview mit dem MDR aber davor, Propaganda zu unterschätzen; Zitat "Wenn man anguckt, wie sich Partei- und Staatsführer anderswo inszenieren lassen – denken wir an die Türkei, denken wir an Putin in Russland – dann ist das gar nicht so weit weg, was die Methodik betrifft." 

 

Eine wichtige, eine aktuelle Ausstellung!

 

Gedenkstätte Hohenschönhausen –    Genslerstraße 66 – Hohenschönhausen / 26.01. – 30.06.2018. / täglich 09:00 – 18:00 / www.stiftung-hsh.de / Tram M5 Freienwalder Straße – M6 & Tram 16 Genßlerstraße – Bus 256 Große-Leege-StraßeXFreienwalder Straße

 

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