Die 1. Generation

Das Kolbe Museum ist ohnehin eines meiner Lieblingsmuseen – die neue Ausstellung “Die 1. Generation – Bildhauerinnen der Berliner Moderne“ macht den Ausflug ins Westend zu Beginn des Jahres aber wieder ganz besonders lohnenswert.

 

Sophie Wolff, Käthe Kollwitz, Milly Steger, Marg Moll, Tina Haim-Wentscher, Renée Sintenis, Christa Winsloe, Emy Roeder, Jenny Mucchi-Wiegmann und Louise Stomps heißen die Künstlerinnen, die die Schau präsentiert; zehn Berliner Bildhauerinnen der Weimarer Republik – die ersten Ihres Fachs. Denn erst ab 1919 war Frauen das Studium an einer Kunsthochschule gestattet. Davor gab es nur die Möglichkeit, sich die Fähigkeiten selbst anzueignen oder in einer Kunstgewerbeschule zumindest ansatzweise das Rüstzeug zu erlernen. 

 

Trotz all der Widrigkeiten formierte sich in der Weimarer Republik eine erste Generation von freischaffenden Bildhauerinnen in Deutschland, die von ihrer Kunst leben konnten und auch Anerkennung bei Kunstkritik und Publikum fanden.

 

Und dennoch - die Künstlerinnen hatten im körperbetont-schweren Medium der Skulptur immer wieder mit Vorurteilen und tradierten Rollenmodellen zu kämpfen. Selbst von Kolbe, dem Förderer von Milly Steger und Renée Sintenis, sind zweifelnde Äußerungen bezüglich der physischen Belastbarkeit der Künstlerinnen überliefert. Der Kritiker Franz Servaes schrieb 1916 sogar:

 

„Merkwürdigerweise machen ein paar Frauen sich besonders bemerkbar, wenn auch nicht im besten Sinn. Renée Sintenis’ Plastiken sind bizarr und graziös, Käthe Kollwitz sehr innerlich, aber gänzlich verunglückt in der Behandlung der Gliedmaßen; Milly Steger äfft Lehmbruck nach und Margarete Moll strebt einen Scheußlichkeitsrekord an.“

 

Die Ausstellung im Georg Kolbe Museum ermöglicht nun die Wiederentdeckung der Werke dieser Frauen und ihrer Biografien. Denn bis auf Sintenis und Kollwitz sind die meisten der anderen Bildhauerinnen vergessen. Gezeigt wird die ganze Vielfalt und das schöpferische Potenzial der Künstlerinnen, die sich thematisch nicht auf ihr Frausein reduzieren ließen, sondern eigenständige künstlerische Wege einschlugen. Das rote Band und Bindeglied der Ausstellung ist, dass alle in Berlin lebten und arbeiteten und eng mit der Kunstszene der Weimarer Republik verwoben waren.

 

Mutige, emanzipierte, moderne Frauen und großartige Künstlerinnen – eine Entdeckung! 

 

"Die 1. Generation" - Austellung im Georg-Kolbe-Museum / Sensburger Allee 25 – Westend / 030 304 21 44 / Mo-So 10:00–18:00 / www.georg-kolbe-museum.de / M49-X34-X49 Heerstraße – S5 Heerstraße   

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

News

1000x Berlin. Das Online-Portal zur Stadtgeschichte

1000 Fotografien aus den Sammlungen der Berliner Bezirksmuseen und des Stadtmuseums Berlin geben einen faszinierenden Einblick in die Stadtgeschichte. Aus Anlass des 100. Jubi­lä­ums von Groß-Ber­lin erzäh­len sie von einer Groß­stadt, die 1920 durch Par­laments­be­schluss aus Städ­ten, Landgemeinden und Gutsbezirken zusammen­gefügt wurde. 150 thematische Fotoserien zeigen, wie sich das Bild Berlins von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart verändert hat. Alle Infos – hier