Zeitgenössische Kunst - Quatar Museum

Im ehemaligen Heizkraftwerk Mitte zeigt der nationale Museumsverbund des Katar Museums auf 7500 Quadratmetern mehr als 300 Kunstwerke von über 70 Künstlern; dies ist die bisher größte Ausstellung moderner Kunst des arabischen Landes und bildet den Abschluss des deutsch-Katarischen Kulturjahres. Das Pendant ist eine Schau deutscher Kunst, die momentan in Doha zu sehen ist.

 

Das Kraftwerk wurde 1961-64 erbaut und 1997, nachdem ein angrenzender Kraftwerksneubau die Arbeit übernommen hatte, stillgelegt. 2006 übernahm Dimitri Hegemann, Gründer des Tresor Club, Gastronom und Kulturmanager das Gebäude, als der Tresor ein neues zu Hause finden musste. Weitere Aus- und Umbauten folgten, bis der heutige Ausstellungs- und Veranstaltungsort Kraftwerk Berlin im Oktober 2010 eröffnet wurde.

 

In der monumentalen Turbinenhalle präsentieren sich auf drei Ebenen unterschiedlichste künstlerische Positionen. Die erste Etage zeigt Fotografien des heutigen Katar, mit Fokus auf die Hauptstadt Doha, in seinem Ehrgeiz moderne Städte zu erschaffen und der Gigantomanie, mit der man das tut, den Nachbarn am Golf absolut verwandt. Geld spielt – noch – keine Rolle und im Bestreben sich zu diversifizieren gelangt die Kunst immer mehr in den Fokus; Sheikha al Mayassa, die Schwester des Scheichs von Katar, ist in der internationalen Kunstwelt eine der einflussreichen Protagonistinnen und Käuferinnen.   

 

Daneben finden sich Werke katarischer Künstler, die im Artist-In-Residence Programm im Rahmen des Kulturjahres entstanden sind. Vor allem das fotografische Werk mit Aufnahmen aus mehreren deutschen Städten, ist interessant – der Blick des Fremden auf die Deutschen.     

 

In der dritten Etage sind meines Erachtens die stärksten Werke zu sehen. Viele Objekte befassen sich mit dem Bauboom aber auch mit der Frage nach spirituellen Aspekten der Veränderungen auf die Gesellschaft und das Individuum.  

 

Einige Installationen zeigen das Verschwinden der alten Gassen zugunsten enger Hochhausschluchten, Spielzeugfiguren sind aus Beton, eine Frau in Abaja mit darüber gezogenem Tutu sitzt auf dem Boden und sinniert. Sehr ausdrucksstark auch die sieben schwarzen Figuren, die auf einer Marmorplatte einen silbernen Würfel anbeten - eine Anspielung auf die Heilige Kaaba in Mekka. Daneben Gefälligeres wie Lichtspiele und Klanginstallationen, die aber in der Bausubstanz des Kraftwerks einen kongenialen Partner finden. Denn der Ausstellungsraum ist ein starker Resonanzkörper der Kunst und macht definitiv einen Reiz des Besuches aus.   

 

Was zu kurz kommt ist die Auseinandersetzung mit der Frage wie die Kataris mit der rasanten Entwicklung innerlich Schritt halten. Das Komfortniveau des Lebensstils ist absolut westlich, die Entwicklung der Gesellschaft in Fragen der Teilhabe und Gleichberechtigung hat in den letzten 30 Jahren aber – natürlich - nicht die gleiche Evolution gemacht. Einzig eine Video-Installation, in der eine Künstlerin ihre Mutter interviewt, die als Minderjährige verheiratet wurde und mit 14 ihr erstes Kind bekam durch das sie Lesen & Schreiben lernte, thematisiert diesen Zwiespalt. Ebenfalls nicht thematisiert werden die Arbeitsbedingungen der ausländischen Arbeiter bzw. die Hierarchisierung der Expats und dem daraus resultierend extremen sozialen Gefälle unter ihnen sowie die momentane schwierige politische Situation in der Katar sich befindet, das von fast allen seinen Nachbarn isoliert ist. 

 

Nichtdestotrotz eine lohnenswerte Ausstellung mit Blicken auf ein Land, dass wir zu kennen glauben und doch eigentlich wenig davon wissen.

 

Kraftwerk – Köpenicker Straße 70 – Mitte / 09.12.17 – 03.01.18 So-Mi 10:00-20:00 & Do-Sa 10:00-22:00 - geschlossen am 24., 25., 31. Dezember sowie am 1. Januar 2018 / www.contemporaryartqatar.com  / U8 Heinrich-Heine-Straße – Bus 165 & 265 Michaelkirchstraße – SBahn Jannowitzbrücke / Eintritt frei

 

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