Sowjetisches Ehrenmal Schönholzer Heide

Als Berlin am Morgen des 2. Mai 1945 kapitulierte, hatten 80.000 sowjetische Soldaten in der Schlacht um Berlin ihr Leben gelassen.

 

Zu ihrem Gedenken und als Orte ihrer Bestattung errichtete die Führung der Roten Armee vier sowjetische Ehrenmale in der Stadt. Das Ehrenmal im Tiergarten, bereits im November 1945 erbaut, befindet sich - sehr symbolhaft - an der Stelle, an der sich die Nord-Süd-Achse und die Ost-West Achse der sogenannten Welthauptstadt Germania hätten kreuzen sollen. Diese Symbolik wählte man nicht für die Ehrenmale im Treptower Park und in der Schönholzer Heide, es sollten nur zentrale beziehungsweise große Plätze in der Stadt sein. Beide Kriegsgräberstätten wurden 1949 eingeweiht, eine weitere, vierte im Schlosspark in Buch bereits 1948.

 

Die Schönholzer Heide war seit dem 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner Familien; 1936 siedelte der Vergnügungspark Lunapark vom Halensee in die Schönholzer Heide um. Als nach 1939 Musik und Tanz und Amüsement vorbei waren, befand sich hier das zweitgrößte Zwangsarbeiterlager von Berlin; von den Pankowern – vielleicht etwas zynisch - „Luna-Lager“, genannt. Das Sowjetische Ehrenmal erinnert mahnend auch daran, ist aber vorrangig doch den Gefallenen des “Großen Vaterländischen Krieges 1941-1945” gewidmet. Hier sind die sterblichen Überreste von über 13.000 Offizieren und Soldaten der Roten Armee beigesetzt – darunter 120 Frauen - fast doppelt so viele Tote wie im Treptower Park.

 

Anders als in Treptow wurden in der Schönholzer Heide auch Soldaten bestattet, die in deutscher Kriegsgefangenschaft ums Leben gekommen waren. Die Einbeziehung dieser Kriegsgefangenen und ihre Erwähnung durch eine Tafel stellt eine Besonderheit dar, da unter Stalin Kriegsgefangene als potenzielle Kollaborateure angesehen wurden und der sowjetische Führer ein tiefes Misstrauen ihnen gegenüber hegte. Viele befreite Rückkehrer mussten in der Sowjetunion Repressalien oder gar weitere Lagerhaft erdulden.

Am Haupteingang an der Germanenstraße befindet sich zunächst ein kleiner Vorplatz. Die zum eigentlichen Zugang des Ehrenmals führende Lindenallee wird begrenzt von zwei mit Kränzen verzierten Säulen, deren Sockel jeweils durch eine Bronzeschale mit ewiger Flamme abschließt. Am Ende der Allee befindet sich der eigentliche Haupteingang; zwei Torgebäude mit Ecktürmen aus rotem Granit flankieren den Zugang. Die seitlichen Großreliefs aus Bronze stellen das kämpfende und trauernde Sowjetvolk dar.

 

An den Außenmauern, die sich an die Turmbauten anschließen, befinden sich acht Wappen mit den Abzeichen der sowjetischen Waffengattungen. An den Wänden der beiden Turmbauten, in denen jeweils eine etwa anderthalb Meter hohe Bronzeurne ohne Inhalt steht, sind Zitate Stalins in deutscher und russischer Sprache zu sehen. Ein mehrfarbiges, aus hundert Einzelteilen zusammengesetztes Oberlicht mit einer Wappendarstellung der Sowjetunion ziert den an eine altägyptische Grabkammer erinnernden rechten Innenraum. Der Mittelteil der Friedhofsanlage wird flankiert von 16 Sarkophagen, die symmetrisch im Ehrenhain angeordnet sind.

 

Das eigentliche Zentrum bildet ein 33,50 Meter hoher Obelisk, in dessen Sockel sich eine Ehrenhalle befindet. Auf 42 Grabtafeln wird gefallenen Offizieren gedacht, zwei Obersts haben in der Gruft unter der Ehrenhalle ihre letzte Ruhestätte gefunden.

 

Vor der Spitzsäule erhebt sich die an eine christliche Pietà erinnernde Skulptur „Mutter Erde” : eine russische Mutter trauert um ihren gefallenen Sohn, der mit der Fahne des Sieges bedeckt ist. In ihrer rechten Hand hält die Figur einen Kranz, der den Kopf des Soldaten zu bekrönen scheint. Auf dem Sockel, der die Bronzegruppe trägt, befindet sich die Inschrift: “Nicht vergebens war der Tod und das verflossene Blut der Sowjetsoldaten. Nicht vergebens der Kummer und die Tränen der trauernden Mütter, Witwen und Waisen. Sie rufen zum Kampf für den dauernden Frieden unter den Völkern auf.”

 

Die Mauer, die den Ehrenhain umgibt, ist mit weiteren 100 Grabtafeln versehen, die durch symbolische Wandfackeln getrennt werden. Auf den Tafeln sind die Namen, Dienstgrade und Geburtsjahre von 2.647 gefallenen Sowjetsoldaten zu lesen. Nur knapp ein Viertel der Bestatteten konnte namentlich identifiziert werden, die übrigen wurden unbekannt begraben.

Die Anlage ist streng axial gegliedert und hat eine Größe von fast drei Hektar, sie ist wie die anderen Ehrenmale äußerst monumental, auf Tiefenwirkung hin ausgelegt und entfaltet eine strenge Gesamtwirkung, die ungeheuer eindrucksvoll ist. Angesichts der Größe ist der Einzelne klein, fast winzig gegenüber der gewaltigen Dimensionen.

Auffallend auch – wieder einmal - wie unterschiedlich das Totengedenken in den verschiedenen Systemen gehandhabt wurde. Während das Commonwealth War Cemetery an der Heerstraße eine fast schlichte Anlage ist, die rein den Toten und ihrer Opfer für das Vaterland gedenkt, symbolisieren die Ehrenmale der Sowjets in ihrer imposanten und mächtigen Formsprache auch immer die enorme Bedeutung des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland und sind darüber hinaus antifaschistische Denkmäler.

Da die Schönholzer Heide abseits der Besucherströme liegt, herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre. Würdiger, dem Ort und dem Gedenken angemessener als in den beiden innenstadtnahen Ehrenmalen im Tiergarten und im Treptower Park, wo einzelne Besucher schon mal vergessen zu scheinen, dass sie sich in einer Kriegsgräberstätte aufhalten.

Wer den Ausflug kombinieren möchte – hier und hier habe ich vor einiger Zeit bereits einen Rundgang durch Pankow beschrieben. Alternativ kann man ein Stück entlang der Panke wandern.

Germanenstrasse - Pankow Niederschönhausen / April bis September von 7:00 bis 19:00 Uhr -  Oktober bis März von 8:00 bis 16:00 Uhr / S1- S26 Wilhemsruh - Bus 155 Ehrenmal Schönholz

In der Nähe : Rundgang durch Pankow - Teil I und Teil II / Spaziergang entlang der Panke

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