Petit Paris

Die französische Tradition ist eine lange in Berlin. Die ersten Hugenotten kamen 1685 nach dem Edikt von Potsdam in die Stadt und es ist doch immer wieder erstaunlich, wie wenig die französische Esskultur in der preußischen Provinz überlebt hat. Oder lag es daran, dass die Réfugiés Protestanten waren? Die hatten es ja bekanntlich nicht so mit dem Savoir Vivre, denn das bescheidene, nicht genusssüchtige Leben musste ja bereits im Diesseits geführt werden.

 

Wie dem auch sei; wir leben zum Glück in der Neuzeit und finden deshalb immer mal wieder ein Stück Frankreich in Berlin, das authentisch ist und uns die kurze Flucht zwischendurch in das Land des Genusses ermöglicht.      

 

Petit Paris heißt das nette Café am Planufer in Kreuzberg und es ist tatsächlich ein Stück Paris in Berlin. Sehr wenige Sitzplätze innen, ein paar mehr Außen und eine Vitrine, die - wie man in Frankreich so schön sagt - l'eau à la bouche – einem den Mund wässrig macht.    

 

Es gibt verschiedene Frühstücke, Brote und Quiches, mürbeteigzart und traditionell als Quiche Lorraine oder in anderen Varianten, lockere und zarte aber nicht zu butterige Croissants; dazu tartes, gâteaux, eclaires, macarons und viele weitere Köstlichkeiten. Fast alles ist fait maison und das schmeckt man natürlich, denn die Produkte sind von jener guten und ehrlichen Qualität, die dem Esser in Berlin leider immer noch zu häufig verwehrt wird. Wer nicht vor Ort verzehren will oder kann – alles wird auch außer Haus verkauft.

 

Schön sitzt man in dem kleinen Raum, die Vitrine und den Käsekühlschrank immer im Blick, freundlich umsorgt von den beiden Betreibern, wobei Madame ihr Reich eher in der Küche hat und dort die Gaumenfreuden herstellt. Noch schöner sitzt man auf der Terrasse am Landwehrkanal und genießt die Unaufgeregtheit, die dieser Ort ausstrahlt.   

 

Neben einem tadellosen Kaffee, sehr kundenfreundlich mit einem kleinen Wasser serviert, gibt es eine schöne Auswahl an Weinen, französischem Sekt und Crèmant; dem stilvollen Ausklingen des Nachmittags mit vin et fromage steht also nichts im Wege.

 

Planufer 92d – Kreuzberg /   / Mi-So 08:00-18:00 / https://petitparis-cafe.business.site/  U1-U3-U8 Kottbusser Tor – Bus M41 Graefestraße / Preise €

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Klaus-Joachim Haetzel (Samstag, 07 März 2020 09:36)

    Auch wenn derzeit der Flugverkehr fast ruht, Charlottes Einladung zum Schlendern durch meine alte Heimat lockt immer. Um so mehr, wenn Erinnerungen an die Spuren französischer Vorgänger aufkommen.

News

1000x Berlin. Das Online-Portal zur Stadtgeschichte

1000 Fotografien aus den Sammlungen der Berliner Bezirksmuseen und des Stadtmuseums Berlin geben einen faszinierenden Einblick in die Stadtgeschichte. Aus Anlass des 100. Jubi­lä­ums von Groß-Ber­lin erzäh­len sie von einer Groß­stadt, die 1920 durch Par­laments­be­schluss aus Städ­ten, Landgemeinden und Gutsbezirken zusammen­gefügt wurde. 150 thematische Fotoserien zeigen, wie sich das Bild Berlins von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart verändert hat. Alle Infos – hier

 

Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze.“ Hans Baluschek zum 150. Geburtstag - 12.Mai - 27.September 2020

Hans Baluschek war scharfer Beobachter, brillanter Künstler und engagierter Chronist seiner Zeit. Schon früh konfrontierte der 1870 geborene Maler, Grafiker und Illustrator das Publikum mit ungewohnt realistischen Darstellungen des Berliner Lebens. Ihn interessierten die Folgen der Industrialisierung, die Lebensumstände des Proletariats, Armut, Hunger und Verwahrlosung in den unteren Gesellschaftsschichten einer großen Stadt. Zum 150. Geburtstag des Künstlers zeigt die Ausstellung im Bröhan-Museum nun einen umfassenden Überblick seines Werkes und spannt dabei einen Bogen vom Kaiserreich bis in die Jahre der Weimarer Republik. Alle Infos – hier.     

 

Stasi in Berlin – noch bis 31.Dezember 2020

Die Sonderausstellung „Stasi in Berlin“ der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zeigt die Dimensionen der staatlichen Repression durch den Staatssicherheitsdienst der DDR sowohl in der Hauptstadt der DDR als auch in West-Berlin. Auf einem begehbaren, 160 qm großen Luftbild erkunden die Besucher mit Hilfe von Tablets zahlreiche Dienstobjekte und tausende konspirative Wohnungen. Fotos, Videos und Schriftstücke verdeutlichen das Ausmaß der Überwachung. Alle Infos – hier.

 

Fast Fashion – 27.September 2019 – 02. August 2020

Die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode “ wirft einen kritischen Blick auf die Folgen des Modekonsums für Produzenten und Umwelt und regt die Besucher an, sich engagiert mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Alle Infos – hier