Im Dezember hatte ich ja in meiner Rezension des Lesendro am Kollwitzplatz bereits das Geschwisterlokal Kafana in Wilmersdorf erwähnt. Nur - wie es so ist – irgendwie kam immer etwas dazwischen und mein Besuch verschob sich ein ums andere Mal. Kürzlich aber war ich in Belgrad und durfte dort die ganze Palette der – modernen - serbischen Küche kennenlernen. Danach war klar:  das  Kafana in Berlin muss ich jetzt unbedingt besuchen. Denn die serbische Küche, die den Ruf einer schweren, fettgetränkten, fleischlastigen hat, ist sehr viel feiner und differenzierter als sie in meiner Vorstellung bisher existierte.

 

In den Räumen der ehemaligen Zwiwel ist seit 2017 diese „Kneipe„ wie es ja wörtlich übersetzt heißt, zu Hause. Die Einrichtung ist eine Reminiszenz an die Gründerzeit, viel Holz, bequeme rote Sofas – eine heimelige Atmosphäre, die wohltuend undesignt und ungestylt ist. Bei gutem Wetter bietet die Terrasse genügend Tische draußen und, obwohl die lärmige Detmolder Straße nicht weit ist, hier in der Bruchsaler sitzt man äußerst entspannt.

 

Die Vorspeisen firmieren unter Balkan Tapas und werden warm und kalt angeboten. Wir entschieden uns für Frischkäse mit Olivenöl, Proja – Maisbrot mit Rucola, Prebranac – eingelegten Bohnen und Sarma – Sauerkrautrouladen – ein Gericht, welches im gesamten Balkan bekannt und beliebt ist. Für zwei nicht so große Esser fast ein bisschen zu viel, aber wir wollten die Bandbreite der Küche probieren und von der Qualität und dem Geschmack waren wir begeistert: frische und beste Produkte mit Können und Leidenschaft zubereitet; das präsentierte sich uns und unserem Gaumen. Vor allem die Sarma, die aus eingelegten Sauerkrautblättern mit Hackfleisch-Reis-Füllung bestehen, waren würzig und auf den Punkt.  

 

Bei den Hauptgängen wählten wir den Leskovački Burger und gegrillten Oktopus mit Gemüse. Beide Gerichte ebenfalls auf den Punkt und weder schwer noch fett, sondern von jener mediterranen Leichtigkeit, die Urlaubsstimmung aufkommen lässt.

 

Das Restaurant arbeitet mit dem auf Weine aus Serbien spezialisierten Händler Samovino zusammen und so ist die Weinkarte natürlich ein beredtes Zeugnis davon, welche Qualität serbische Winzer inzwischen produzieren. Auch ein serbisches Craft Beer ist zu finden – nicht nur in Berlin entwickelt sich das. Und natürlich dürfen Rakija und Sljivovica nicht fehlen; natürlich von weit besserer Qualität als das, was man aus den 80er Jahren aus den unsäglichen Balkan Grills kannte.

 

Das Kafana ist ein besonderes Lokal; ein Botschafter der serbischen Gastfreundschaft und Gastlichkeit. Es räumt auf mit den Vorurteilen über die Küche des Balkans und hat sich eine ganz besondere Nische erobert. 

 

Regelmäßig werden am Wochenende Konzerte veranstaltet und seit kurzem gibt es sonntags einen Balkan Brunch mit serbischem Omelette, Pršut, Zlatiborski Lepinja, Cevapcici, Sarma, Pfannkuchen und Vieles mehr. Da werde ich auf jeden Fall bald hingehen – denn  dieser Weg nach Wilmersdorf lohnt sich!              

 

Bruchsaler Straße 6 – Wilmersdorf /  030 – 235 849 98  / Mo – Sa ab 18.00 – So 10:00-22:00 / www.kafana-berlin.de / S-Ringbahn Bundesplatz – U9 Bundesplatz – Bus 248 Bundesplatz       

 

 

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