So wunderschön der Standort des Riehmers ist, es hat dort bisher noch nicht jeder Gastronom Glück gehabt. Aber seit Herbst letzten Jahres scheint sich dies zum Wohle des Gastes und des Gastronomen zu ändern. Die efeuumrankte Terrasse ist ja eigentlich ohnehin ein Selbstläufer aber mit dem richtigen auf dem Teller, wie man es nun bekommt, sollte sich das Restaurant Riehmers bald wieder als Wohlfühloase auf der ruhigen Seite des Riehmers Hofgarten etablieren.      

 

Simon Nann heißt der Koch, stammt aus dem Süddeutschen und ist den Berliner Gourmets aus dem, leider geschlossenen,  „Le Cochon Bourgeois“ in der Fichtestraße bekannt.   

 

Gekocht wird saisonal und frisch, mit besten Zutaten – soweit unterscheidet sich das erstmal nicht von den aktuellen Küchentrends. Aber – hier wird auch sehr bodenständig gekocht mit Portionen, die sowohl Gourmets als auch Gourmands zufriedenstellen. Mit Fokus auf Saucen, Jus, Terrinen, Mousse und auch mal einem Braten - und auch die Sahne ist keine Unbekannte. Eine bodenständige aber inspirierte und kreative Küche.         

 

Die Karte ist relativ klein - drei Vorspeisen, ein Zwischengang, vier Hauptgerichte, ein bis zwei Desserts. Man wählt à la carte oder ein 4-Gang Menü zum Festpreis von 42,-- EUR.

 

Wir starteten mit Consommé von der Challans Ente mit gebratenem Speck-Gruyère-Knödel und gebratener Boudin Noir mit Selleriepüree und Zwetschgen Chutney. Eine Consommé zu machen ist Arbeit, viel Arbeit, aber der Gast dankt es dem Koch, wenn sie so klar und geschmackssicher daher kommt wie im Riehmers. Der Knödel mit dem würzig-pikanten Geschmack des Gruyère war die perfekte Ergänzung dazu. Die Blutwurst war von feiner Konsistenz, gut gewürzt und dazu harmonierte das sämig-cremige Selleriepüree ausgezeichnet.  

 

Die Hauptgänge Kalb in Jus mit Topfen-Gnocchi und gemischtem Gemüse und Wolfsbarsch mit Safran-Sauce, Erbsen und „Amalfi“-Zitronen-Risotto waren beste frankophil-badische Küche und für einen Badener in der „Diaspora“ eine unerwartet großartige Erinnerung an die alte Heimat. Nein, das ist keine leichte, molekulare Küche, mit einer Zutat pro Teller – im Riehmers wird Leib & Seele Küche gekocht. Und das auf so hohem handwerklichen Niveau, dass es eine Freude ist.

 

Geleitet wird das Restaurant von Mariana Hübner, auch sie ehemals aus dem „Cochon  Bourgeois“. Der Service ist aufmerksam, kompetent, mit einer schönen Portion Berliner Schnodderigkeit, die aber die Balance hält aus selbstbewusst und serviceorientiert, eine Begegnung auf Augenhöhe. Und man wurde - wie leider zu oft heute - nicht zu Tode "sehrgernisiert".  

 

Die Weinkarte ist mit Sachverstand kuratiert und bietet viele interessante deutsche Positionen, von denen viele auch glasweise zu haben sind.

 

Die Einrichtung ist gradlinig aber nicht unedel, dezente Beleuchtung, mit gutem Abstand zwischen den Tischen und somit auch zu den Nachbarn. Aber, der Sommer kommt und mit ihm die Möglichkeit und das Vergnügen auf der Terrasse Platz nehmen zu können.

 

Ich bin mir sicher, dass sich viele zufriedene Esser auf den Heimweg aus der Hagelberger Straße machen werden.

 

Hagelberger Straße 9  – Kreuzberg / 788 919 80  / Di-So ab 18:00  /   http://riehmers-restaurant.de  /  U6-U7 Mehringdamm Bus M19 Mehringdamm / Preise €€-€€€

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    KAM Corporate (Mittwoch, 11 April 2018 17:37)

    Eine sehr schöne Rezension, das Lokal klingt wirklich ansprechend. Ich werde es mal im Rahmen unseres nächsten Team Meetings in Berlin vorschlagen, unsere Chefin ist da meistens ziemlich offen für tolle Vorschläge :)

    Herzliche Grüße

    Der Münchner Ösi-Osmane

News

1000x Berlin. Das Online-Portal zur Stadtgeschichte

1000 Fotografien aus den Sammlungen der Berliner Bezirksmuseen und des Stadtmuseums Berlin geben einen faszinierenden Einblick in die Stadtgeschichte. Aus Anlass des 100. Jubi­lä­ums von Groß-Ber­lin erzäh­len sie von einer Groß­stadt, die 1920 durch Par­laments­be­schluss aus Städ­ten, Landgemeinden und Gutsbezirken zusammen­gefügt wurde. 150 thematische Fotoserien zeigen, wie sich das Bild Berlins von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart verändert hat. Alle Infos – hier

 

Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze.“ Hans Baluschek zum 150. Geburtstag - 12.Mai - 27.September 2020

Hans Baluschek war scharfer Beobachter, brillanter Künstler und engagierter Chronist seiner Zeit. Schon früh konfrontierte der 1870 geborene Maler, Grafiker und Illustrator das Publikum mit ungewohnt realistischen Darstellungen des Berliner Lebens. Ihn interessierten die Folgen der Industrialisierung, die Lebensumstände des Proletariats, Armut, Hunger und Verwahrlosung in den unteren Gesellschaftsschichten einer großen Stadt. Zum 150. Geburtstag des Künstlers zeigt die Ausstellung im Bröhan-Museum nun einen umfassenden Überblick seines Werkes und spannt dabei einen Bogen vom Kaiserreich bis in die Jahre der Weimarer Republik. Alle Infos – hier.     

 

Kiezgeschichten 19.Juni – 04.Oktober 2020  
Vor 100 Jahren entsteht Berlin, wie wir es heute kennen. Alt-Berlin wird mit den umliegenden Städten, Dörfern und Gutsbezirken zu Groß-Berlin zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören Friedrichshain und Kreuzberg – zwei Kunstprodukte, die aus den Stadtteilen der historischen Stadtmitte geformt und nach Parkanlagen benannt sind. Die Ausstellung im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum erzählt Kiezgeschichten aus den vergangenen 100 Jahren. Mehr Infos - hier.

Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt – 23.Juni – 31.Dezember 2020
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) zeigt anlässlich des 75. Jahrestages der Potsdamer Konferenz eine Sonderausstellung im Schloss Cecilienhof. Am authentischen Ort erleben die Besucher eine multimediale Zeitreise in die schicksalshaften Tage des Sommers 1945. Alle Infos – hier  

Fragile Times – 04.Juli – 25.Oktober 2020
Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben sind nur einige der Schlagworte, die viele Menschen in Sorge versetzen. Dennoch kommt es bei den Wenigsten zu nachhaltigen Verhaltensänderungen.  Die Ausstellung in der Galerie im Körnerpark beschäftigt sich mit dem fragilen Verhältnis von Mensch und Natur und sucht nach Wegen, dieses neu auszuloten. Mehr Infos – hier.
 

Mitte(n) in Reinickendorf – 06Juli – 25.Oktober 2020
Und noch eine Ausstellung zu Berlin 100. Zwischen den Landgemeinden des späteren Bezirks Reinickendorf erstreckten sich vor über hundert Jahren noch Waldflächen und freie Felder. Durch die Eingemeindung Berlins wurde sie Teil des Zukunftraums Berlin. Anhand von Fotografien, Karten, Gemälden und Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern wird in der Ausstellung die unterschiedliche Entwicklung und Vielfalt Reinickendorfs deutlich. Mehr Infos – hier 

 

Stasi in Berlin – noch bis 31.Dezember 2020

Die Sonderausstellung „Stasi in Berlin“ der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zeigt die Dimensionen der staatlichen Repression durch den Staatssicherheitsdienst der DDR sowohl in der Hauptstadt der DDR als auch in West-Berlin. Auf einem begehbaren, 160 qm großen Luftbild erkunden die Besucher mit Hilfe von Tablets zahlreiche Dienstobjekte und tausende konspirative Wohnungen. Fotos, Videos und Schriftstücke verdeutlichen das Ausmaß der Überwachung. Alle Infos – hier.