Industry Standarad

Obwohl inzwischen seit 1,5 Jahren offen, immer noch eine der heißesten Neueröffnungen Berlins. Das beginnt bei der Lage, Sonnenallee, sonst eher Little Beirut als ein Ort für contemporary fine dining und geht über den Ansatz from head to toe, nicht neu, aber hier zur Perfektion gebracht, bis zu dem shabby chic Ambiente, das dann doch wieder genau in diese Ecke Neuköllns passt. Das Publikum und das Personal ist international, mit Englisch kommt man weiter als mit Deutsch, und wem das alles ein bißchen zu prätentiös ist – das Essen ist eine Offenbarung. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie auf dem Teller finden und was Ihren Gaumen kitzelt.

 

Das Konzept ist asiatisch – viele kleine Teller zum teilen am Tisch stillen den Hunger und so viel mehr als das. Die Karte wechselt häufig, es gibt aber einige Signature Dishes, wie das Beef Tartar, die eigentlich immer angeboten werden. Sehr überzeugend waren die Schweinezunge, hauchzart aber bissfest oder der Blutkuchen mit Spiegelei und Apfel; es sind diese ungewohnten Kombinationen gepaart mit handwerklicher Könnerschaft, die den Unterschied machen. Aber auch Vegetarier können satt werden: Sie haben ein eigentlich langweiliges Gemüse wie Paprika noch nie so aufregend gegessen – fermentiert und wieder neu zusammengesetzt durch die Gewürze, dazu Sardellen und Pecorino – ein Gedicht. Man muss allerdings klar sagen, dass die Karte des Industry Standard fleisch- bzw. fischlastig ist; und billig, das muss man ganz klar sagen, ist es auch nicht. Kann es auch nicht sein  - die  Qualität der Grundprodukte ist hervorragend, eingekauft wird regional von Brandenburger Betrieben, und die Küche nimmt die Grundlagen auseinander und setzt sie wieder zusammen; diese Arbeitsaufwände bezahlen sie - und das zurecht.

 

Einziges Manko der Service – nett sind sie schon, aber nicht immer ganz sattelfest und kompetent. Und wie so oft in der angesagten Gastronomie fragt man sich – was ist eigentlich aus dem Tablett geworden. Und ein bißchen weniger Coolness wäre manchmal auch nicht verkehrt.

 

Aber wie gesagt, dass Essen ist der Star und das ist über jeden Zweifel erhaben. Die offenen Weine sind fachmännisch kuratiert, das Angebot an Flaschen ist aber defintiv eher zu empfehlen.

 

Sonnenalle 83 – Neukölln  / 030-62-72-7732  / Mi - So ab 19:00 / www.industry-standard.de / U7 Rathaus Neukölln – Bus M41 Fuldastraße / Preise - €€-€€€

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