Allein die Geschichte des Bethanien Gebäudes, verbunden mit einigen der großen Namen der Berliner Kulturgeschichte, ist schon ungeheuer interessant; heute findet das Haus eine würdige Verwendung durch   unterschiedliche Projekte wie den Kunstraum Kreuzberg-Bethanien, die Druckwerkstatt des BBK Berlin, die Musikschule Friedrichshain-Kreuzberg oder das Freiluftkino Kreuzberg Darüber hinaus bietet das Bethanien verschiedenen Theater- und Tanzinstitutionen ein zu Hause wie zum Beispiel dem Bundesverband Freier Theater, dem mime centrum berlin, dem Zentrum Bundesrepublik des Internationalen Theaterinstituts.

 

Errichtet wurde das Gebäude 1845-47 als Central-Diakonissen-Haus Bethanien als  Erbe des frommen Königs Friedrich Wilhelm IV, des sogenannten „Romantikers auf Preußens Thron“, Sohn der Königin Luise. Das ausgewiesene Gelände Köpenicker Feld befand sich zwar noch innerhalb der Stadtgrenze Berlins, war aber umgeben von Gärten und Feldern. 

 

Der Schinkel Schüler Ludwig Persius, dem wir unter anderem die Heilands Kirche in Sacrow, die Villa Schöningen in Potsdam oder den Erweiterungsbau von Schloss Babelsberg verdanken, plante die ersten Entwürfe für die Diakonissenanstalt mit 500 Betten, einer Schwesternschule und einem Waisenhaus. Nach Persius´ Tod übernahm Friedrich August Stüler, ebenfalls Schinkel Schüler, und unter anderem Architekt des Neuen Museums, der Friedenskirche in Potsdam und St. Peter und Paul in Nikolskoe die Leitung über das Projekt, federführend blieb aber der Persius Mitarbeiter Stein. Nach dessen Plänen entstand die weite hufeisenförmige Anlage, deren wuchtiger Haupttrakt von zwei schlanken 35 Meter hohen Türmen überragt wird. Die Planung der Gartenanlage wurde – wie soll es anders sein – von Lennè erdacht.

 

Die Krankenhausapotheke, in der der große Theodor Fontane 1848 -1849 arbeitete, ist wie ein Wunder noch in der Originalausstattung erhalten. Diese kann nur Dienstag 14:00 -17:00 oder im Rahmen einer Führungen auf Anfrage besichtigt werden. Alternativ muss man sich an der Glasscheibe die Nase platt drücken, um einen Einblick zu erhaschen.

 

50 Jahre nach Errichtung später stand das Bethanien dann inmitten der neu errichteten Kreuzberger Mietskasernen, umgeben von all den Problemen, die das Leben für die Bevölkerung im Arbeiterbezirk Kreuzberg mit sich brachte. Auch im Krankenaus waren die hygienischen Zustände katastrophal, es kam immer wieder zu Massensterben bei den Patienten.

 

Im Dritten Reich verweigert die Stiftung der Altlutherischen Kirche, die das Haus betrieb, Führungspositionen mit NSDAP Mitgliedern zu besetzen, konnte aber der Beschlagnahmung durch die Gestapo 1941 nicht abwenden. Das Haus wurde zum Lazarett und 1945 durch die Luftangriffe der Alliierten schwer beschädigt. Durch den Bau der Mauer 1961 verlor das Krankenhaus einen Großteil seiner Patienten und geriet in massive finanzielle Schwierigkeiten und sollte schließlich abgerissen werden um Platz zu schaffen für Neubebauung für sozialen Wohnungsbau. Aber nicht im Berlin von 1968 – eine Bewegung aus Bürgerinitiativen, Denkmalschützern aber auch dem Bund Deutscher Architekten protestiert dagegen und ein Nebengebäude des Bethanien wurde schließlich 1971 instand besetzt. Nach langwierigen Verhandlungen übergab der Berliner Senat schließlich Gebäude und Gelände 1973 an die Gruppe der Besetzer.   

Der Kunstraum Kreuzberg- Bethanien, dem wir uns hier widmen, ist eine Einrichtung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg, zählt zu den Kommunalen Galerien Berlins und ist einer von drei Standorten der KGB des Bezirks. 

 

Gezeigt werden in Gruppen- und Einzelausstellungen Werke internationaler und lokaler zeitgenössischer Künstler, eingebettet in ein Programm aus wahlweise Führungen, Filme, Diskussionen und Künstlergesprächen. Wichtiger Fokus ist darüber hinaus die Nichtkommerzialität sowie thematische Projekte, die sich mit urbanen, gesamtgesellschaftlichen und globalen Strömungen und Entwicklungen befassen. Das kann dann zum Beispiel unter dem Motto "Boys and their Toys" stehen, eine Ausstellung aus 2015, die sich mit Waffen, Krieg, Militär und deren Omnipräsenz, Faszination, Bedrohung und Auswirkungen befasste. Oder, erst kürzlich zu Ende gegangen – "entre límites / zwischen grenzen – berlin 2016 Klangkunst aus Mexiko und Deutschland" – mit unterschiedlichsten, teils genregrenzen sprengenden Klanginstallationen.

 

Das ist nie gefällig und sicherlich manchmal auch zu sperrig, aber Kunst soll ja Diskussion auslösen und sie fördern und das tun die Ausstellungen hier eigentlich immer. Interessante Einblicke in die zeitgenössische Kunst abseits des Mainstream bekommt man auf jeden Fall geboten und in Kombination mit dem Haus und der Grundstimmung, die dort herrscht ist das Bethanien auf jeden Fall einen Besuch wert. Lohenswert ist definitiv auch die Einkehr im Restaurant 3 Schwestern und das sogar unabhängig vom Besuch einer Ausstellung. Und im Sommer gibt es kaum ein schöneres Freilichtkino in der Stadt; von Mai bis September wird ein anspruchsvolles Programm im Innenhof des Bethanien gezeigt. Aber Vorsicht - die Liegestühle sind tricky, wenn man sie zum ersten Mal bedient.  

 

Mariannenplatz 2 – Kreuzberg / 030 90298 1455 / Mo-So 11.00-20:00 / www.kunstraumkreuzberg.de /  U1-U8 Kottbuser Tor – Bus 140 Mariannenplatz / Kino - www.freiluftkino-kreuzberg.de

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Juliane Gassert (Dienstag, 18 Juli 2017 17:11)

    Schön diese Verbindung aus Geschichte und moderner Kunst.

  • #2

    Charlotte@fortsetzungberlin (Dienstag, 18 Juli 2017 17:29)

    Und schön, dass dieser Ort sich in den Zeitläuften hält. Es verändert sich so vieles so rasant in der Stadt

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