Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in der Villa Oppenheim

Ursprünglich befand sich auf dem Grundstück ein um 1840 gebautes Wohnhaus, welches dem königlichen Kammerherrn Graf von Kameke gehörte. 1845 erwarb der Bankier und Königliche Geheime Kommerzienrat Alexander Mendelssohn Grundstück und Gebäude und baute das bis dahin relativ bescheidene Haus in eine Sommerresidenz um – die Villa Sorgenfrei. Weitere Um- & Erweiterungsbauten ließ die folgende Besitzerin Margarete Oppenheim, eine Tochter des Bankiers und ihr Mann, Obertribunalrat Otto Georg Oppenheim, nach Plänen des Berliner Architekten Christian Heidecke im Stil der Neurenaissance vornehmen. So wurden ein Stall- und Remisengebäude hinzugefügt, eine hölzerne Kegelbahn, ein Gartensaal und zwei Treibhäuser, sowie der Park ausgeschmückt.

 

1911 kaufte die Stadt Charlottenburg Villa und Garten, um eine Bebauung mit Mietskasernen zu verhindern. Bis auf die Villa mit ihrem Südflügel wurden sämtliche auf dem Grundstück befindliche Bauten abgetragen und der Park, den wir heute als Schustehruspark kennen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Gebäude wurden nach Plänen des Charlottenburger Stadtbauinspektors Hans Winterstein 1919–22 mit einem Schulgebäude für die Sophie-Charlotte-Schule (heute Schule am Schloss) verbunden und nahm 1922 den Schulbetrieb auf. Winterstein ist übrigens auch der für die Freibadeanstalt im Volkspark Jungfernheide verantwortliche Architekt.

 

Im Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude als Seuchenlazarett, ab 1945 wieder als Schule; allerdings zunächst ohne Dach – das hatte man bei einem Luftangriff eingebüßt. Von 1987 bis 2009 befand sich das Kunstamt Charlottenburg mit seiner Galerie im Gebäude, anschließend die Galerie für Gegenwartskunst. Seit Anfang 2012 ist die Villa Oppenheim nun das Zauhause des Museum Charlottenburg-Wilmersdorf.

 

Der Auftrag des 1987 gegründeten Museums Charlottenburg-Wilmersdorf ist, sich der Erforschung und Vermittlung der Stadtgeschichte des Bezirks und der Berliner Kulturgeschichte zu widmen. Und so finden neben den festen Schauen zahlreiche Veranstaltungen zu unterschiedlichsten Themen sowie regelmäßige Sonderausstellungen statt.

 

Im Erdgeschoss wird sehr anschaulich die Geschichte der Villa und ihrer Bewohner dokumentiert sowie durch Büsten ausgewählte Charlottenburger vorgestellt.

 

Daneben zeigt seit 2014 die sehenswerte Ausstellung WESTEN! die Geschichte des im Jahre 2001 im Rahmen der Bezirksreform zusammengeführten Bezirks. Von ihren Anfängen als Bauerndörfer zu stolzen und unabhängigen Städten, Charlottenburg eine der reichsten, erst Preußens dann Deutschlands. Ihre Eingemeindung 1920 zu Großberlin, ihre Rolle als zweites Stadtzentrum neben der historischen Mitte, ihre Funktion als City-West zu Mauerzeiten. Mit vielen Originalobjekten führt die Schau durch die wichtigsten Ereignisse der beiden Bezirke und stellt prägende Protagonisten vor. Von der historischen Glocke bis zu den Flügeln aus „Der Himmel über Berlin“ gibt es viel Anschauungsmaterial um die Geschichte der beiden Stadtteile kennenzulernen. Zum Teil ist einiges bekannt, aber die Wenigsten werden noch vom See im Volkspark Wilmersdorf wissen. Der Kenner erfasst natürlich sofort, dass die Ausstellungsvitrinen eine Reminiszenz an den Kurfürstendamm sind.

 

Filmaufnahmen und Medienstationen bieten zudem interaktive Einblicke in die Geschichte und Entwicklung der – Zitat – „beiden schönen Schwestern“.

 

Im ersten Stock präsentiert sich die historische Kunstsammlung Charlottenburgs. Die reiche Großstadt mit wohlhabenden Bewohnern und spendablen Mäzenen konnte es sich leisten Kunst zu kaufen. Die Sammlung geht zurück auf die „Deputation für Kunstzwecke“, eine Initiative des Charlottenburger Magistrats von 1908. Die Abgeordneten der Stadtverordnetenversammlung ließen ausgewählte Werke der Berliner Sezession darunter Walter Leistikow, Franz Skarbina, Hans Baluschek und Max Liebermann ankaufen, um sie in den Repräsentationsräumen des Rathauses auszustellen.

 

1912 erfuhr die Sammlung eine äußerst bedeutende Erweiterung – die Charlottenburger Sammler Antonie und Hugo Raussendorff vermachten ihren Besitz an Gemälden ihrer Stadt. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs erweiterte sich die Sammlung auf fast 450 Gemälde und Plastiken. Durch Auslagerungen, Fliegerangriffe und die Nachkriegswirren wurden allerdings viele Objekte zerstört oder gingen verloren.

 

Wer nach dem Besuch Stärkung sucht: das Café Villa Oppenheim direkt im Haus ist zu empfehlen. Man sitzt verträumt im Garten mit Blick in den Schustehruspark oder in den kühlen Souterrain Räumen. Es gibt Frühstück, kleine Speisen zum Lunch, hausgemachte Kuchen und am Wochenende einen sehr gastfreundlich kalkulierten Brunch.

 

Schloßstrasse 55 – Otto Grüneberg Weg – Charlottenburg / 030 90 29 24 106 / Di-Fr 10:00 – 17:00 Sa & So 11:00 -17:00 / www.villa-oppenheim-berlin.de / U2 Sophie-Charlotte-Platz – U7 Richard-Wagner-Platz – Bus M45 Schloss Charlottenburg – Bus 309 Seelingstraße

 

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