Und wieder ein Platz, den wir dem großen James Hobrecht zu verdanken haben; in seinem Plan von 1862 taucht er als Platz D auf, geplant im Rahmen der Bebauung eines neuen Berliner Viertels auf dem Weinsberg, der höchsten natürlichen Erhebung Berlins.  Joseph Pertl, Berliner Gartenarchitekt, erhielt den Auftrag den Schnittpunkt von fünf sich hier treffenden Straßen zu gestalten.  

 

Angelegt wurde der Zionskirchplatz als Schmuckplatz mit kleinteiligem Pflaster und Zierstreifen, marmorne Sternornamente markierten die Zugänge zum Inneren des Platzes. Rings um die Kirche bildeten vier Lindenreihen, aufgebrochen von Rasenstreifen, eine zusammenhängende Grünfläche. Ein schmiedeeisernes Gitter, welches nachts geschlossen wurde, begrenzte den Platz. Im Laufe der Zeitläufte veränderte der Platz sein Aussehen stark, die Bäume wurden gefällt, das Gitter entfernt und die Kriegsschäden wurden zu DDR-Zeiten nur notdürftig saniert. Erst 2013-14 erhielt der Zionskirchplatz seine ursprüngliche Gestalt wieder mit, wobei die historische Wegeführung mit ihren Sichtachsen wieder hergestellt wurde auch die Nachpflanzungen mit Linden und Kastanien erfolgte.

 

Seinen Namen bekam der Platz 1866 mit Errichtung der Zionskirche (1866–1873) im Zentrum der Anlage. Erbaut wurde sie als Votivkirche zum Dank des Scheiterns des Attentates vom Juli 1870 auf den späteren Kaiser Wilhelm I in Baden-Baden, nach Entwürfen von Ferdinand Gustav Möller und August Friedrich Orth. Fast verspielt erhebt sich der Backstein-Terrakotta-Bau im Stil des Berliner Historismus in der Mitte des Platzes. Der Außenbau hat eine ausgebildete Fassade, über den großen Maßwerkfenstern finden sich neoromanische Zwerggalerien. Der filigrane, 67 Meter hohe Turm, ist schon von weitem gut sichtbar. An Sonntagen kann der Turm von 12:00 – 17:00 bestiegen werden. 104 enge Stufen geht es hinauf – belohnt wird man mit einer der schönsten Aussichten über Berlin. Das Panorama reicht von der Rosenthaler Vorstadt, den Prenzlauer Berg bis weit über die ganze Stadt. Wegen ihrer Schönheit und Größe erhielt die Zionskirche zu Kaiserzeiten den Beinamen „Dom des Nordens“.

 

Ein bemerkenswert zu erwähnendes Detail ist, dass für Orth die städtebauliche Funktion der Kirche als ordnendes Element auf dem fünfeckigen Platz wichtiger war als die vorherrschende Ostung bei Kirchen, das heißt der Chor der Kirche wurde nicht nach Osten ausgerichtet, sondern nach Norden. Äußerst ungewöhnlich in der damaligen Zeit.

 

Durch die Luftangriffe der Alliierten 1943 wurde die Kirche teilweise zerstört, aber wie so oft – die wahren Schäden wurden dem Gebäude erst nach den Bomben und nach dem Krieg zugefügt. Nicht nur die Kirchenbänke waren für Berliner in Not benötigtes Brennholz. 1946 wurden deshalb die unteren Fenster der Kirche vermauert. Notdürftig renoviert bis 1953, gab es immer wieder Schäden an Dach und Heizung – bis heute ist die Sanierung wegen fehlender Geldmittel nicht vollständig abgeschlossen.     

 

Der Berühmteste Pfarrer der Gemeinde dürfte sicherlich Dietrich Bonhoeffer sein, der 1931-32 hier arbeitete. Zu seinen Ehren wurde 1989 eine Bronzeplastik von Karl Biedermann seitlich der Kirche aufgestellt. Zu DDR-Zeiten beherbergte die  Zionskirche die Umwelt-Bibliothek, die einzige freie Druckerei der DDR. Hier druckten Oppositionelle Flugblätter und Untergrundzeitschriften. An diese Bedeutung der Zionskirche erinnert eine Stele der Robert-Havemann-Gesellschaft, die an der Zufahrt zur Kirche aufgestellt ist.

 

Heute ist der Platz das Zentrum eines bürgerlichen, großstädtischen Wohnviertels. Obwohl der Rosenthaler Platz und der trubelige Mauerparkt nicht weit sind, herrscht hier Ruhe und Entspanntheit. Im südlichen Teil des Platzes finden sich einige schöne Restaurants und Geschäfte, donnerstagnachmittags findet ein Bauernmarkt statt. Die Erhabenheit und Schönheit der Kirche prägen den Platz – ein schöner Ort mitten in der Stadt, um zu entspannen und durchzuatmen.    

  

Zionskirchplatz / Tram 12-M1 Zionskirchplatz – U8 Rosenthaler Platz

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