Branitzer Platz

Der Mittelpunkt des Berliner Westend, einem Ortsteil von Charlottenburg, westlich des S-Bahn Ringes.  Als Villenkolonie wurde das Westend ab Ende der 1860er Jahre konzipiert und nach dem gleichnamigen, ebenfalls vornehmen Londoner Stadtteil benannt. Unter der Federführung von Johannes Quistorp entwickelte sich das Viertel mit dem zentralen Branitzer Platz, der bis 1897 Kirchplatz hieß, zu einer der begehrtesten Wohnaddressen des Berliner Geldadels. Zur Wasserversorgung wurde 1871/1872 das Wasserwerk am Teufelssee errichtet, welches heute noch in Betrieb ist. Von Kaiser Wilhelm I. wird der Ausspruch kolportiert, dass es sich hier gut atmen lasse, was angesichts der Lage am Stadtrand sicherlich eine richtige Feststellung war. In Berlin herrscht überwiegend Westwind und die Fabriken und Elendsquartiere der Stadt befanden sich im Osten.    

 

Der Branitzer Platz war als typischer Schmuckplatz angelegt, eingerahmt von Kastanien- und Eichenallee. Benannt ist er nach dem Ort Branitz in Brandenburg, einem Stadtteil von Cottbus, der für seinen durch Fürst Herrmann von Pückler-Muskau, einem der beiden großen preußischen Landschaftsgestalter, errichteten Park bekannt ist. In seiner Mitte findet sich ein  Rondell, eine Rasenfläche mit inzwischen leider sehr kleinen Blumenbeeten und Baumumrandung durch die angrenzenden Alleen. Anrainer sind Villen auf großen Gartengrundstücken.

 

Alles hier atmet Großbürgerlichkeit, Großstädtischkeit und jene Nonchalance, die man nur durch ein Leben in generationenlanger Weltoffenheit ausstrahlen kann. Und dann diese Ruhe - zwischen Spandauer Damm und Reichsstraße sitzend - man hält es fast nicht für möglich. Sogar die Autos scheinen irgendwie leiser zu sein. Am Branitzer Platz gibt es keine Caf´és, keine Ablenkung, aber es ist ein sehr guter Ort um sich bewußt zu werden, was für eine unglaublich reiche Stadt sowohl materiell als auch intellektuell Berlin bis zum Zweiten Weltkrieg war und wie unwiederbringlich dieser Verlust immer noch nachwirkt.             

 

Im Westend lebten viele bedeutende Musiker, Schauspieler und Schriftsteller. Unter anderem nannten die  Schriftsteller Arnold Zweig, Joachim Ringelnatz und Alfred Döblin, der Kabarettist Wolfgang Gruner und der Maler Emil Nolde das Westend ihr Zuhause. Der Schauspieler Curd Jürgens wurde hier geboren und sogar die Schöneberger Ikone Marlene Dietrich verbrachte einige Jahre in der Akazienallee.

 

Charlottenburg / S – Ringbahn Westend – U2 Theodor-Heuss-Platz

 

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