Stuttgarter Platz

Der Stutti ist kein Platz im wirklichen Sinne, sondern besteht aus zwei Teilen. Das größere Teilstücke ist eine Straße am S-Bahnhof Charlottenburg,  wo Sie den größten russischen Supermarkt der Stadt finden, und führt über die Kaiser-Friedrich-Strasse bis zur Wilmersdorfer Strasse, wo er zur Krummen Strasse wird. Der kleinere und bei weitem schönere Teil befindet sich auf der anderen Seite der Windscheidt Strasse und ist tatsächlich ein Platz mit Cafes, schönen Geschäften und einem Kinderspielplatz.  

 

Aber natürlich sah der Stutti nicht immer so aus. Charlottenburg, vor den Toren Berlins gelegen wurde ab 1882 an die neue Stadtbahn angeschlossen. Diese ermöglichten eine schnelle Verbindung zum Stadtzentrum und somit eine Expansion Berlins auf das bisherige Ackerland im Westen der Stadt. Seinen Namen erhielt der Platz 1892 und wurde mit Grünanlagen, Blumenbeeten und sogar Palmen bepflanzt; zu dieser Zeit sparte man nicht, um Berlin angemessen als Weltstadt auszustaffieren. Eine Tafel an Haus Nr. 4 erinnert an Christian Morgenstern, der hier etwas länger als 1 Jahr ab 1899 lebte.  

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Platz schwer zerstört und mit den üblichen Neubauten verschandelt. Nur im Teil um die Windscheidt – & Leonhardt Strasse finden sich noch die Bürgerhäuser mit den hohen Decken und den Zimmerfluchten. 

 

Der Stuttgarter Platz ist Berlin im Kleinen - voller Widersprüche und vermeintlich konträre Lebensentwürfe treffen hier in friedlicher Koexistenz aufeinander. Der westliche Teil ist seit Jahrzehneten ein beliebter Treffpunkt der Charlottenburger Intelligenzja, die sich in den schönen Cafes und Restaurants treffen bzw. fast dort leben zu scheinen. Junge Familien kommen hierher und die Eltern trinken Ihren Latte während die Kleinen auf dem Spielplatz toben. Ungeheur familiär und anziehend geht es hier zu. Der östliche Teil ist Rotlichtmilieu, Drogenschwerpunkt und mit seinen Billig- & Ramschläden dagegen ungeheuer abstoßend.   

 

Stuttgarter Platz / S-Bahnhof Charlottenburg – U7 Wilmersdorfer Strasse    

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Juliane Gassert (Dienstag, 24 Januar 2017 16:50)

    Man schliesst diesen Platz in sein Herz und es lässt sich dort wirklich gut tagelang verweilen.
    Die Mischung aus Einheits-Einkaufsmeile, Rotlichtbezirk und Szenegastronomie
    fand ich immer ganz besonders reizvoll.

News

Fast Fashion – 27.September 2019 – 02. August 2020

 

Die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode “ wirft einen kritischen Blick auf die Folgen des Modekonsums für Produzenten und Umwelt und regt die Besucher an, sich engagiert mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Alle Infos – hier

 

Mal wieder was Farbiges – Michael Diller und sein Kreis   – 14.Dezember 2019 -23.Februar 2020   

 

Am 27. Januar 2020 wäre der Maler und Grafiker Michael Diller (1950–1993) 70 Jahre alt geworden. 10 Jahre lang war sein Atelier Treffpunkt der Szene des Prenzlauer Berg und weit darüber hinaus. Die Besonderheit bestand darin, dass es keine homogene Szene war, die sich hier versammelte – Dillers Atelier war offen für jeden, der kommen wollte. Es wurde gefeiert und es fanden Vorträge, Gespräche, Filmvorführungen, Ausstellungen und Lesungen statt. Mehr Infos - hier.