Alboin Platz

Der Alboinplatz ist ein innerstädtischer Gartenplatz im Südosten von Schöneberg an der Bezirksgrenze zu Tempelhof. Er wurde vom bekannten Gartenarchitekten Erwin Barth ab 1912 angelegt. Vollendet wurde er allerdings erst 1932 – ein Weltkrieg und  die Zwischenkriegszeit kamen dazwischen. Und in Berlin dauern Bauprojekte ja auch gerne mal länger.

 

Im Zentrum des fast kreisrunden Platzes liegt die „Blanke Helle“ ein Toteisloch, Überbleibsel der Eiszeit auf dem Teltow, einer flachwelligen eiszeitlichen Platte; seit 2004 ist sie ein Berliner Naturdenkmal. Namenspatron Alboin war ein Langobardenkönig, der im 6. Jahrhundert  regierte. Er eroberte Norditalien und siedelte anschließend im Gebiet der heutigen Lombardei.

 

So friedlich wie sich der Platz heute gibt, war er allerdings der Sage nach nicht immer. Im Vormittelalter war das Gebiet dicht bewaldet und an der Blanken Helle lebte ein Priester, sein Leben im Dienste der nordischen Göttin Hel, der Herrscherin der Unterwelt, verbringend. Hels Rückzugsort war der See. Zweimal im Jahr schickte sie Stiere an die Oberfläche, die das Gelände um den See pflügten, damit es fruchtbar blieb und der Priester Getreide kultivieren konnte. Ein christlicher Wandermönch ließ sich im Laufe der Jahre bei dem Priester nieder und pflegte ihn als dieser starb. Die germanische Mythologie ablehnend, unterließ der Mönch die rituellen Opfer für Hel; diese wurde zornig und befahl im nächsten Frühjahr den Stieren, den Mönch zur Strafe in den See zu ziehen. Lange Zeit hieß es, die Blanke Helle würde alljährlich ein Opfer verschlingen; weitere Menschenopfer an dieser Stelle sind allerdings nicht bekannt.

 

Die Skulptur "Auerochse" , im Volksmund  "Größter Ochse von Berlin" genannt, ist aus Muschelkalkstein und wurde von  Paul Mersmann erschaffen. Im Inneren befindet sich angeblich ein zylindrischer Behälter mit einem Aufruf gegen Hitler.  

 

Der Alboinplatz ist nicht groß, aber ein Ruhepol. Man kann hier sehr gut die normalen Berliner beobachten. Hier gibt es - noch - keine Hipster, keine coolen Großstadtmenschen, sondern die Menschen, die Berlin auch ausmachen; jene, die die Stadt am Laufen halten, weil sie mit beiden Füßen fest auf dem Boden der Stadt stehen. Sie sitzen auf den Bänken und im Gras und entspannen oder sie bringen ihren Kindern hier das Radfahren bei; sie genießen die Ruhe und die Auszeit von der Hektik der Großstadt - denn der Alboinplatz ist völlig entspannt und friedlich.        

 

Tempelhof / S2 & 25 Priesterweg – Bus 106 Alboinplatz – U6 Kaiserin-Augusta-Straße  

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Juliane Gassert (Montag, 28 August 2017 15:04)

    Schönes Kleinod.

  • #2

    Charlotte@fortsetzungberlin (Montag, 28 August 2017 15:22)

    Ist es in der Tat. Weg von der Hektik und eigentlich trotzdem zentral

News

1000x Berlin. Das Online-Portal zur Stadtgeschichte

1000 Fotografien aus den Sammlungen der Berliner Bezirksmuseen und des Stadtmuseums Berlin geben einen faszinierenden Einblick in die Stadtgeschichte. Aus Anlass des 100. Jubi­lä­ums von Groß-Ber­lin erzäh­len sie von einer Groß­stadt, die 1920 durch Par­laments­be­schluss aus Städ­ten, Landgemeinden und Gutsbezirken zusammen­gefügt wurde. 150 thematische Fotoserien zeigen, wie sich das Bild Berlins von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart verändert hat. Alle Infos – hier

 

Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze.“ Hans Baluschek zum 150. Geburtstag - 12.Mai - 27.September 2020

Hans Baluschek war scharfer Beobachter, brillanter Künstler und engagierter Chronist seiner Zeit. Schon früh konfrontierte der 1870 geborene Maler, Grafiker und Illustrator das Publikum mit ungewohnt realistischen Darstellungen des Berliner Lebens. Ihn interessierten die Folgen der Industrialisierung, die Lebensumstände des Proletariats, Armut, Hunger und Verwahrlosung in den unteren Gesellschaftsschichten einer großen Stadt. Zum 150. Geburtstag des Künstlers zeigt die Ausstellung im Bröhan-Museum nun einen umfassenden Überblick seines Werkes und spannt dabei einen Bogen vom Kaiserreich bis in die Jahre der Weimarer Republik. Alle Infos – hier.     

 

Stasi in Berlin – noch bis 31.Dezember 2020

Die Sonderausstellung „Stasi in Berlin“ der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zeigt die Dimensionen der staatlichen Repression durch den Staatssicherheitsdienst der DDR sowohl in der Hauptstadt der DDR als auch in West-Berlin. Auf einem begehbaren, 160 qm großen Luftbild erkunden die Besucher mit Hilfe von Tablets zahlreiche Dienstobjekte und tausende konspirative Wohnungen. Fotos, Videos und Schriftstücke verdeutlichen das Ausmaß der Überwachung. Alle Infos – hier.

 

Fast Fashion – 27.September 2019 – 02. August 2020

Die Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode “ wirft einen kritischen Blick auf die Folgen des Modekonsums für Produzenten und Umwelt und regt die Besucher an, sich engagiert mit ihrem eigenen Konsumverhalten auseinanderzusetzen. Alle Infos – hier