Bayerischer Platz

Der Bayerische Platz ist Mittelpunkt des Bayerischen Viertels, welches im Jahr 1908 nach Plänen von Fritz Enke als Schmuckplatz mit Grünflächen, Bäumen, und Bänken angelegt wurde. 1956 wurde der Platz der autogerechten Stadt geopfert. Damit die Grunewaldstraße begradigt werden konnte,  zerschnitt man den Platz in zwei ungleiche Hälften und beraubte ihn dadurch seiner Schönheit. Zu dieser Zeit wollte man dem Fortschritt in Gestalt des Autos nicht im Weg stehen. Der Krieg hatte ohnehin bis auf einen Kiosk nichts von der Urspungsbebauung übrig gelassen. Im Übrigen hatten die  Anwohner, wie überall in Berlin, die Bäume gefällt, um diese als Brennholz zu nutzen. 

 

Die Familie des umtriebigen Georg Haberland, denen wir auch das Rheingau Viertel und die Gegend um den Viktoria-Luise Platz verdanken, ließ um 1900 vor den Toren der Stadt Berlin, Schöneberg war damals noch eine kreisfreie selbstständige Stadt, ein herrschaftliches, großbürgerliches, elegantes Wohnviertel anlegen. Wie auch beim benachbarten Viktoria-Luise-Platz sollte der Bayerische Platz der Erbauung der Anwohner dienen. Im Viertel  etablierte sich bevorzugt das liberal-jüdische Bildungsbürgertum. An diese Bewohner erinnern heute die zahlreichen Stolpersteine und die Kunstinstallationen von Renata Stih und Frieder Schnock. Auf 80 an Laternenmasten angebrachten Tafeln, wird mit Zitaten aus original Gesetzestexten aus dem 3. Reich die schrittweise Ausgrenzung und Entrechtung der deutschen Juden dokumentiert. Aber trotz Terror, Verfolgung und Ausgrenzung: die kulturelle Tradition der ehemaligen Bewohner hat sich bis heute im Viertel erhalten. Berühmte Bewohner in den Anainerstraßen des Platzes waren unter anderen Albert Einstein, Erich Fromm, Inge Deutschkron, Gottfried Benn und Erwin Piscator. 

 

Schön ist der Bayerische Platz nicht, aber er ist das Zentrum des Viertels. Sechs Straßen gehen von ihm ab und eine durch ihn hindurch. Wer mit dem Fahrrad von Nord nach Süd will, der kommt wahrscheinlich hier vorbei. Trotz seiner Zerrupftheit mag ich ihn und seinen brüllenden bayerischen Löwen, den Brunnen, der eher einer Kneippanlage gleicht, und die Anwohner mögen ihn auch. Die Berliner sind nicht wählerisch mit ihrem Grün - nur nah muss es ein.       

 

Schöneberg / U4 oder U7 Bayerischer Platz    

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

News

Jüdische Kulturtage 07.-17.November 2019

 

Die Jüdischen Kulturtage bieten einen Einblick in die jüdische Kultur in ihrer Vielfalt. Mit Jazz, Soul, Pop, Rock, Weltmusik, Synagogaler Musik, Klassik, Comic, Literatur, Vorträgen, öffentlichen Gottesdiensten und einem großen Fest bieten die Festivaltage auch nichtjüdischen Besuchern die Möglichkeit, das jüdische Leben kennenzulernen. Mehr Informationen – hier.  

 

Südwestpassage Kultour – 09.-10.November 2019

 

Bereits zum zwölften Mal findet in Friedenau die Südwestpasssage Kultour statt. Ateliers, Werkstätten und Galerien sind geöffnet und das Publikum ist herzlich eingeladen, Entdeckungen zu machen und in die Welt der Friedenauer Kreativszene einzutauchen. Darüber hinaus gibt es Führungen und Künstlergespräche. Alle Infos – hier.

 

Around The World In 14 Films – 21.-30.November 2019

 

Einmal im Jahr stellt das Independant Festival vierzehn herausragende Werke des jungen Weltkinos vor.  Alle Filme sind erstmals in Berlin zu sehen. Zuvor wurden sie auf den führenden Filmfestivals von Cannes, Locarno, Rotterdam, San Sebastián, Sundance, Toronto oder Venedig diskutiert, gefeiert und ausgezeichnet. Gäste, Filmgespräche, Sonderreihen, Special Events sowie ein herausragender deutscher Film des Jahres ergänzen das Programm.  Alle Informationen – hier.