Lode & Stijn

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt; so könnte man das Konzept im Lode & Stijn nennen. Keine Kompromisse, keine Änderungen möglich – die einzige Auswahl besteht darin, sich entscheiden zu müssen, ob man das Vier oder das Sechs Gang Menü wählt, an der Bar bekommt man einzelne Gerichte auch à la carte, und welchen Wein man dazu trinken möchte. Und ich verstehe die Kritik daran nicht ganz – bei Christian Lohse stellt man sich die Menüs bzw. die Zutaten ja auch nicht einfach um. Es geht um Respekt für die Küche und den Prozess, der in der Entwicklung der Gerichte steckt; das sollte man als Gast verstehen können und goutieren.

 

Angefangen haben die beiden holländischen Köche mit Pop-Up Restaurants, sind aber seit April 2016 in der Nähe des Landwehrkanals heimisch geworden. Der Gastraum ist schlicht, Holztische und -stühle, keine Ablenkung von dem, was man an diesem Abend auf dem Teller finden wird. In Frankreich konnte man früher in Restaurants das Phänomen beobachten, dass ganze Familien in Schweigen verfielen, wenn das Essen kam – une affaire sérieuse – das ist im Lode & Stijn nicht der Fall und das ist auch schon mein einziger Kritikpunkt: wenn es voll ist, und das ist es eigentlich immer, ist es unglaublich laut. Tischgespräche in größeren Runden sind kaum mehr möglich und auf den Esser überträgt sich eine gewisse Hibbeligkeit, ein bißchen mehr Andacht für das, was hier geboten wird, wäre irgendwie doch schön.

 

Denn jeder Gang, jedes Gericht hat ungeteilte Aufmerksamkeit verdient. Klassiker sind die Bitterballen inzwischen und es spricht für die Küche und die Ironie mit der man hier arbeitet, dass man einmal doch der Erwartungshaltung entspricht und sie unter die Amuse-Gueule mischt. Normalerweise soll man sich ja nicht sehr am Brotkorb delektieren, aber das Sauerteigbrot, das sie hier selbst backen ist alle Kohlenhydrate wert. Überzeugen konnte der Spargel mit Ei mit sehr zurückgenommenem Rindergelee, das dennoch immer noch intensiv genug war, dem Spargel Aroma zu verleihen, ausgezeichnet war der Blumenkohl mit Makrele und Molke, die das Fett des Fisches gut neutralisieren konnte. Das Lamm war mir persönlich etwas zu rare, aber ich bin in dieser Hinsicht schon immer etwas speziell, butterweich und im Zusammenspiel mit Ruthje Tomaten, einer biologischen Neuzüchtung einer alten Sorte die einen hervorragenden Eigengeschmack hat, und den dicken Bohnen ein Gedicht. Das Dessert fiel hingegen etwas ab, der Doppelrahm und Baisser zu den Kirschen war zu mächtig.

 

Insgesamt kann man aber sagen, dass sich hier große Könnerschaft gepaart mit viel Leidenschaft ihren Weg erkocht und ich glaube, dass wir von Lode & Stijn in Zukunft noch sehr viel mehr bekommen werden als das ohnehin schon sehr hohe Niveau auf dem sie bisher agieren.    

 

Der Service ist locker und aufmerksam und versteht sein Handwerk versehen mit einem Augenzwinkern. Die Weinkarte bietet viele gute Positionen, allerdings sind die Preise recht ambitiös. Summa summarum: worth the hype, kein preiswertes Vergnügen jedoch jeden Euro wert.

 

Lausitzer Straße 25 – Kreuzberg / 030 65214507/ Di – Sa ab 18:00 / www.lode-stijn.de / U1 – Bus M29 Görlitzer Bahnhof – U8 Schönlein Straße / Preise -€€-€€€  

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