Volkspark Jungfernheide

Auf dem Gelände des Volkspark Jungfernheide befand sich ursprünglich ein königliches Jagdrevier und ein Exerzierplatz – Jagd und Militär, das ging in Preußen ja immer. Den Namen bekam das Areal aber von den ursprünglichen Besitzerinnen im Mittelalter – den Nonnen eines Benediktinerinnenklosters in Spandau.   

 

1904 kaufte die Stadt Charlottenburg dem preußischen Staat einen Teil des Areals in der Jungfernheide ab, um dort auf 146 ha einen Volkspark zu errichten. Damals wie heute war / ist der Jungfernheidepark der zweitgrößte der Stadt, nach dem Tiergarten – die reiche, selbständige Stadt Charlottenburg hatte das Selbstverständnis und die Geldmittel dafür. 

 

Die Idee des Volksparks entstand Ende des 19. Jahrhunderts – eine moderne, nutzerbezogenen Landschaftsplanung, die die Bedürfnisse der städtischen Bevölkerung nach Spiel- und Bewegungsraum, entgegen kam.  Typisch für Volksparks sind zentrale, große und zusammenhängende, betretbare Spiel- und Sportflächen und ein reduziertes Wegenetz ohne allzu großen Anspruch, ästhetische Gartenkunst zu schaffen; ein Abrücken von den Ideen Lennés und Pücklers, die im 19ten Jahrhundert noch dominant waren.    

 

Und, wenn in Berlin und Umgebung Anfang des 20sten Jahrhunderts eine Grünfläche angelegt wurde – Erwin Barth entwickelte den Plan dafür. Wie beim Brixplatz kam ihm aber erstmal der Erste Weltkrieg dazwischen, dann die Eingemeindung Charlottenburgs in Berlin 1920 und schließlich die Wirtschaftskrise, die eine Haushaltssperre nach sich zog. Zwischen 1920 und 1926 wurden seine Pläne schließlich im Rahmen eines Notstandsprogramms zur Beseitigung von Arbeitslosigkeit schließlich realisiert.

 

Wie immer bei Barth sah sein Konzept nur geringfügige Eingriffe in den - falls vorhanden – Bestand vor; hier Kiefern, Eichen und Buchen. In der Mitte des Waldes allerdings legte er einen Kernbereich an, der Spiel- und Liegewiesen, ein Freibad, ein Gartentheater und eine Kindererholungsstätte enthielt. Am östlichen Rand des Areals wurde ein 38 Meter hoher Wasserturm errichtet. In den naturbelassenen Teilen gab es zudem einen Wildpark mit Dam-und Rotwild. Ein 4 Kilometer langer Rundweg, von dem immer wieder Pfade in den mittleren Bereich führen, umgrenzte das Areal. Das Schwimmbad erhielt über den Nonnendamm ständig Frischwasserzufuhr aus dem nördlich gelegenen Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal und gab es über den Nonnengrabenkanal an die südlich fließende Spree wieder ab.     

 

Der Haupteingang lag im Südosten und wurde von zwei Bärenskulpturen von Hermann Pagels flankiert. Daneben gab es seit 1925 einen Ehrenhain für im Ersten Weltkrieg gefallene sogenannte Niederdeutsche – heute sagt man Norddeutsche zu ihnen.   

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Park stark beschädigt, wurde aber sukzessive ab 1950 wieder aufgebaut. Allerdings kam die autogerechte Stadt auch der Jungfernheide in die Quere – der Bau der Stadtautobahn und des Flughafenzubringers in den 70er Jahren führten zum Verlust größerer Bereiche im östlichen Teil. Die beiden Bären waren in den Kriegswirren ohnehin schon verloren gegangen.  2010 fand man einen Teil einer der Skulpturen wieder und Berlin beauftragte den Künstler Vincenz Repnik ein Ersatzdenkmal zu erschaffen. 

 

Der Wildpark fiel 2013 dem Kostendruck zum Opfer, allerdings gibt es immer noch ein Kleintiergehege mit Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen und Hühnern am westlichen Ende des Parks. Ein Teil des ehemaligen Wildgeheges ist heute ein Hundeauslaufgebiet, daneben gibt es einen Hochseilgarten, dessen Betreiber auch die Gastronomie des Wasserturms übernommen haben. Ein weiterer Biergarten befindet sich am Eingang der ehemaligen Freilichtbühne – den Kulturbiergarten gibt es bereits seit 2004.    

 

Wer Ruhe und Erholung sucht, ist im Jungfernheidepark richtig, wenn nicht gerade das Freibad wieder ein Open-Air organisiert, was leider häufiger an Samstagen der Fall ist und auch mit den Anwohnern des Heckerdamm schon zu Verwerfungen geführt hat. Zum Glück hört man das Gewummer aber in weiten Teilen des Parks nicht, weshalb der Freizeitwert relativ uneingeschränkt zu empfehlen ist. Sobald man sich etwas aus dem Innenstadtbereich herausbewegt, entspannt sich die Lage in den Parks ja zum Glück schnell und so kann man in Charlottenburg-Nord auch an schönen Wochenenden entspannt in der Sonne sitzen und den Sommer genießen.         

 

Jungfernheideweg – Heckerdamm  / U7 Halemweg - Bus 109-123-M21 Weltlingerbrücke    

 

 

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