Vom Anfang Pankows

Schloss Schönhausen 1787 - von Schwarz (Touristik-Heft) via Wikimedia Commons
Schloss Schönhausen 1787 - von Schwarz (Touristik-Heft) via Wikimedia Commons

Nach dem Flüsschen Panke ist Pankow benannt, eine slawische Bezeichnung für einen Fluss mit Strudeln - also einen, der ungleichmäßig fließt. Ob Wenden hier gesiedelt haben, ist nicht eindeutig belegt, die erste urkundliche Erwähnung ist von 1311 in einem Dokument des Markgrafen von Brandenburg.

 

Jahrhundertelang entwickelte sich Pankow eher gemächlich, die Einwohnerzahl blieb relativ lange bei um die 200. Bis heute ist der typische brandenburgische Dorfanger an der Breiten Straße mit Pfarrkirche und Rathaus und der charakteristischen doppelläufigen Straße gut zu erkennen. Das am Anfang der heutigen Damerowstraße befindliche Kavalierschloss unterstreicht diese gewachsene Struktur des Ortsteils. Von hier aus starteten im 19. Jahrhundert die Jagdgesellschaften nach Buchholz und darüber hinaus in das Umland. Der Wochenmarkt am Pankower Anger ist übrigens der älteste Wochenmarkt der Stadt.  Man betrieb Ackerbau und Viehzucht und prosperierte zumindest von der Nähe zu Berlin.

 

1664 kaufte Gräfin Sophie Theodore zu Dohna-Schlobitten ein Rittergut mit Ländereien in Niederschönhausen und Pankow und ließ sich dort einen Herrensitz errichten. 1691 erwarb  Kurfürst Friedrich III. dann dieses Herrenhaus und ließ es zur Residenz ausbauen. Friedrich der Große schließlich schenkte Schloss Schönhausen seiner Gattin, der von ihm verstoßenen Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, die es als Sommersitz nutzte. Und, wo es in Preußen um Gartenanlagen geht, darf natürlich  Lenné nicht fehlen – er gestaltete den Park im 19. Jahrhundert im Stile eines englischen Parks, beauftragt von Friederike von Mecklenburg-Strelitz, der Schwester Königin Luises. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gaben die Hohenzollern das Schloss mehr und mehr auf; zuletzt diente es ihnen als Möbellager.

Sommerfrische und Amüsement

Daniel Prusseit- CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons
Daniel Prusseit- CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Diese Tatsache hatte jedoch keinen Einfluss auf die Entwicklung Pankows, denn am Ende des 19. Jahrhunderts geschah, was in vielen Ortschaften rings um Berlin passierte – die Städter entdeckten den Ort für die Sommerfrische. Und nicht nur die wohlhabenden Bürger fanden Gefallen an Pankow als Standort für ihre Landhäuser, auch das vermeintlich einfache Volk zog es an Sonn- & Feiertagen in die Vergnügungslokale und Gartenwirtschaften.

 

Bekanntestes Zeugnis dieses Amüsements ist sicherlich das Lied „Bolle reiste jüngst zu Pfingsten“ -  ein Schwanklied auf den Prototyp des unbekümmerten „rüdigen“ Berliners. Im Lied spiegelt sich der Feiertagsausflug eines typischen Berliners in den damaligen Vorort Pankow mit der Schönholzer Heide wider. (nach Lukas Richter, Musikwissenschaftler laut Wikipedia)

 

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf zu einer aufstrebenden Gemeinde und hatte bald 45.000 Einwohner, bekam aber nie die Stadtrechte verliehen. Und auch die Industrialisierung machte vor Pankow nicht Halt; an der Panke wurde eine Papiermühle errichtet, die sich das starke Gefälle des Flusses an dieser Stelle zunutze machte. Allerdings zerstörten Feuer und Hochwasser die Mühlenbauten mehrmals bis auf die Grundmauern. 1857 kaufte der Verleger Herrmann Killisch von Horn, der Begründer der Deutschen Börsenzeitung, das Areal und erweiterte das vorhandene Wohnhaus in ein Herrenhaus. Durch zahlreiche Landkäufe vergrößerte er das Gelände von 2,5 auf sagenhafte 10 Hektar. Im Stile eines englischen Parks ließ er eine Meierei, eine Orangerie, eine Fasanerie, eine unterirdische Grotte, ja sogar eine kleine Burg mit Zinnen errichten. Einen Teil seines Privatparks öffnete er schon zu Lebzeiten für die Pankower Bevölkerung.  Nach seinem Tod gelang es der Gemeinde Pankow 1907, den Park in Gemeindeeigentum zu überführen; der Killisch-von-Horn-Park ging in das, von nun an Bürgerpark genannte Areal auf.

 

1874 entstand eine Mälzerei der Schultheiß-Brauerei in Pankow und auch die Zigarettenfabrik Garbáty war ein bedeutender Arbeitgeber jener Jahre. 1919 erreichte die Einwohnerzahl 58.000 Menschen.

 

Die Herren von Pankoff

Mit der Entstehung von Groß-Berlin 1920 wurde auch Pankow, neben den Gemeinden Blankenburg, Blankenfelde, Buch, Buchholz, Heinersdorf, Karow, Niederschönhausen und Rosenthal, nach Berlin eingemeindet und gab dem neuen Bezirk seinen Namen. Nach dem 2. Weltkrieg, in der Zeit von 1949 bis 1960, war Schloss Schönhausen der Amtssitz des Präsidenten der DDR, Wilhelm Pieck, und auch viele Botschaften eröffneten in Pankow ihre Residenzen. Am Majakowskiring, einem ovalen, abgeschlossenen Straßenzug, lebten in den Anfangsjahren der DDR viele Mitglieder der  Regierung, abgeschirmt von der Außenwelt durch eine Mauer. Unter anderem Scharoun war an den Umbauarbeiten für die Nomenklatura 1950 beteiligt. Pankow galt lange Jahre als Synonym für die DDR-Regierung; Adenauer soll von Ihnen nur als den Herren in Pankoff gesprochen haben. Zusammen mit Schloss Schönhausen, welches von 1964-1989 als offizielles Gästehaus der DDR genutzt wurde, war dieser Teil Pankows ein politisches Zentrum des ostdeutschen Staates.

 

Aber nicht nur die politische Elite der DDR bevorzugte Pankow; auch die ostdeutsche Intelligenzija, linientreu oder systemkritisch, lebte in Pankow. Hanns Eisler, Stephan Hermlin, Ernst Busch, Arnold Zweig, Carl von Ossietzky,  Johannes R. Becher, Heiner Müller, Wolfdietrich Schnurre,  Hans Fallada, Winfried Glatzeder, Eva-Maria Hagen, Manfred Krug, Corinna Harfouch, Henry Hübchen, Michael Gwisdek, um nur ein paar Namen zu nennen.

 

Mit der Berliner Verwaltungsreform von 2001 wurde Pankow mit den bisher eigenständigen Bezirken Prenzlauer Berg und Weißensee zum neuen Großbezirk Pankow zusammengefügt. Daraus entstand der bevölkerungsreichste Berliner Bezirk, flächenmäßig ist er allerdings nur der zweitgrößte. Anfang 2018 wurden erstmals 400.000 Bewohner gezählt – eine neuer Rekord.

 

Die idyllischen und ausgedehnten Grünanlagen, die attraktiven Quartiere mit oft alter, gut erhaltener Bausubstanz und die gute Erreichbarkeit machen Pankow zum beliebten Wohnort. Nachdem der Bezirk viele Jahre dem Gentrifizierungsdruck standhalten konnte, sind in den letzten Jahren auch hier die Mieten rasant gestiegen. Viele junge Familien und Kreative, die sich den Prenzlauer Berg nicht mehr leisten konnten, zogen in das angrenzende Pankow und sehen sich jetzt erneut, genauso wie die alteingesessenen Pankower, demselben Verdrängungsmechanismus  ausgesetzt. 

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Kommentare: 1
  • #1

    klaus haezel (Montag, 26 März 2018 12:07)

    Pankow - ein Bezirk zum Verweilen und Entdecken. Danke für diesen Beitrag.

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