Hallmann & Klee

Weiß getünchte Wände,  abgezogene Dielen, nackte Holztische und stylische Lampen – das Hallmann & Klee entspricht auf den ersten Blick völlig dem momentan so angesagten Design für Lokale: Shabby-Chic in offenen Räumen. Aber, das ist hier nicht ein weiterer Laden, der versucht auf der angesagten Welle zu segeln und wir sind hier auch nicht in Mitte, sondern am noch etwas unbekannteren Böhmischen Platz,  und die beiden Betreiberinnen Sarah Hallmann und Friederike Klee haben früher im Facil gearbeitet – das sind die Zutaten, die man für das Schaffen eines wunderbaren Ortes braucht, der sich dann doch substantiell von anderen, die ähnliches versuchen, unterscheidet. 

 

Angefangen haben sie vor knapp einem Jahr mit Frühstück und Mittagessen, aber inzwischen widmen sie auch dem Abend ihre Aufmerksamkeit, und das ist gut so. Und wie immer, wenn die Grundlage bzw. die Zutaten hochwertig sind und mit Können, Talent und Leidenschaft verarbeitet werden, dann wird aus einfachen Lebensmitteln innovatives Essen – sehr zum Vorteil des Gastes.

 

Begonnen wird mit Sauerteig- und Kümmelbrot, freitags auch im außer Haus Verkauf zu haben, und Rahmbutter. Das ist schon mal ein guter, ehrlicher Einstieg und passt zum soliden Anspruch. Die Vorspeisen überraschen durch die Kombination aus bekanntem und weniger bekanntem; sogar Adretta, eine Kartoffelzüchtung der 70er Jahre der DDR, steht auf der Karte – Berlin umgeben von Brandenburg, regionaler kann es eigentlich nicht werden. Die klare Selleriesuppe, die sich als zwei Suppen entpuppte, denn eine zweite cremige wurde dazu gereicht, bestach durch ihre nuancierte Würzung; die Burrata, schlicht zubereitet, um der Delikatesse die volle Geltung zu ermöglichen, war fein ergänzt mit einer Lathiota-Schnittlauch Essenz mit Trüffeln.  

 

Die Dinette, Flammkuchen mit dickerem Boden und Schmand, waren kross und herzhaft,  der Wirsing fein abgestimmt mit sämiger Polenta, Morcheln und Eigelb. Das Filet vom Ochsen war butterweich und mit Möhre, Sauerrahm und Vogelbeere, von der man ja seit längerem weiß, dass sie doch nicht giftig ist, gut ergänzt. Auch optisch waren die Gerichte ein Genuss – keine Bildkompositionen, die man nicht anrühren möchte - aber ansprechend angerichtet.

 

Wie eingangs erwähnt – mit den Frühstücken sind sie bekannt geworden, ein klassisches, aber nicht langweiliges Angebot, warum man aber definitiv tagsüber wiederkommen sollte – die hauseigene Patisserie zaubert köstliche Tartes, Kuchen und andere süße Versuchungen. Im angeschlossenen Feinkost Bereich kann man darüber hinaus hausgemachte Marmeladen, ausgesuchte Olivenöle und Wein kaufen.

 

Ein ganz erstaunlicher Ort ist hier in Rixdorf entstanden; zu jeder Tageszeit einen Besuch wert, ich empfehle trotzdem bevorzugt den Abend. Einziger Wermutstropfen – die Weinpreise sind für einen Gern-Trinker, der ein zweites oder drittes Glas bestellt, doch recht ambitiös kalkuliert. Und es bleibt natürlich auch die Frage, ob die Nachbarn wirklich Stammgäste werden oder doch eher die Berliner aus anderen Teilen der Stadt.  

 

Böhmische Straße 13 – Neukölln / / www.hallmann-klee.de / Ringbahn Sonnenalle – Bus M41 Mareschstraße – U7 Karl-Marx-Straße / Preise - €€

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

News

1000x Berlin. Das Online-Portal zur Stadtgeschichte

1000 Fotografien aus den Sammlungen der Berliner Bezirksmuseen und des Stadtmuseums Berlin geben einen faszinierenden Einblick in die Stadtgeschichte. Aus Anlass des 100. Jubi­lä­ums von Groß-Ber­lin erzäh­len sie von einer Groß­stadt, die 1920 durch Par­laments­be­schluss aus Städ­ten, Landgemeinden und Gutsbezirken zusammen­gefügt wurde. 150 thematische Fotoserien zeigen, wie sich das Bild Berlins von der Weimarer Republik bis in die Gegenwart verändert hat. Alle Infos – hier

 

Zu wenig Parfüm, zu viel Pfütze.“ Hans Baluschek zum 150. Geburtstag - 12.Mai - 27.September 2020

Hans Baluschek war scharfer Beobachter, brillanter Künstler und engagierter Chronist seiner Zeit. Schon früh konfrontierte der 1870 geborene Maler, Grafiker und Illustrator das Publikum mit ungewohnt realistischen Darstellungen des Berliner Lebens. Ihn interessierten die Folgen der Industrialisierung, die Lebensumstände des Proletariats, Armut, Hunger und Verwahrlosung in den unteren Gesellschaftsschichten einer großen Stadt. Zum 150. Geburtstag des Künstlers zeigt die Ausstellung im Bröhan-Museum nun einen umfassenden Überblick seines Werkes und spannt dabei einen Bogen vom Kaiserreich bis in die Jahre der Weimarer Republik. Alle Infos – hier.     

 

Kiezgeschichten 19.Juni – 04.Oktober 2020  
Vor 100 Jahren entsteht Berlin, wie wir es heute kennen. Alt-Berlin wird mit den umliegenden Städten, Dörfern und Gutsbezirken zu Groß-Berlin zusammengeschlossen. Zu ihnen gehören Friedrichshain und Kreuzberg – zwei Kunstprodukte, die aus den Stadtteilen der historischen Stadtmitte geformt und nach Parkanlagen benannt sind. Die Ausstellung im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum erzählt Kiezgeschichten aus den vergangenen 100 Jahren. Mehr Infos - hier.

Potsdamer Konferenz 1945 – Die Neuordnung der Welt – 23.Juni – 31.Dezember 2020
Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) zeigt anlässlich des 75. Jahrestages der Potsdamer Konferenz eine Sonderausstellung im Schloss Cecilienhof. Am authentischen Ort erleben die Besucher eine multimediale Zeitreise in die schicksalshaften Tage des Sommers 1945. Alle Infos – hier  

Fragile Times – 04.Juli – 25.Oktober 2020
Klimawandel, Umweltverschmutzung und Artensterben sind nur einige der Schlagworte, die viele Menschen in Sorge versetzen. Dennoch kommt es bei den Wenigsten zu nachhaltigen Verhaltensänderungen.  Die Ausstellung in der Galerie im Körnerpark beschäftigt sich mit dem fragilen Verhältnis von Mensch und Natur und sucht nach Wegen, dieses neu auszuloten. Mehr Infos – hier.
 

Mitte(n) in Reinickendorf – 06Juli – 25.Oktober 2020
Und noch eine Ausstellung zu Berlin 100. Zwischen den Landgemeinden des späteren Bezirks Reinickendorf erstreckten sich vor über hundert Jahren noch Waldflächen und freie Felder. Durch die Eingemeindung Berlins wurde sie Teil des Zukunftraums Berlin. Anhand von Fotografien, Karten, Gemälden und Interviews mit Bewohnerinnen und Bewohnern wird in der Ausstellung die unterschiedliche Entwicklung und Vielfalt Reinickendorfs deutlich. Mehr Infos – hier 

 

Stasi in Berlin – noch bis 31.Dezember 2020

Die Sonderausstellung „Stasi in Berlin“ der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen zeigt die Dimensionen der staatlichen Repression durch den Staatssicherheitsdienst der DDR sowohl in der Hauptstadt der DDR als auch in West-Berlin. Auf einem begehbaren, 160 qm großen Luftbild erkunden die Besucher mit Hilfe von Tablets zahlreiche Dienstobjekte und tausende konspirative Wohnungen. Fotos, Videos und Schriftstücke verdeutlichen das Ausmaß der Überwachung. Alle Infos – hier.