Brixplatz

Und wieder ein Platz, den wir dem großen Erwin Barth verdanken. Je mehr man sich mit Berlin beschäftigt umso mehr kristallisieren sich ja vier Männer heraus, die maßgeblich für die Gestaltung der Stadt waren: Schinkel, Lenné, Hobrecht und eben Barth, der Charlottenburger Gartenbaudirektor.

 

Bei der Erstellung des Bebauungsplans für ein nördlich von Neu-Westend geplantes Wohnviertel wurde 1909 zwischen Reichsstraße und Westendallee eine 2,1 ha große Grünfläche ausgewiesen. Der ursprüngliche Name des Platzes war Sachsenplatz, und fügte sich in die Namensgebung des neuen Stadtteils ein, in dem die Straßen nach den Ländern des Deutschen Reichs benannt wurden. 1947 wurde der Name auf Brixplatz geändert, zu Ehren von Joseph Brix, Architekt, Geheimer Regierungsrat und Professor für Städtebau an der Technischen Hochschule Berlin. Warum genau man diese Umbenennung vornahm, liegt heute leider im Dunkel, denn andere Straßennamen wurden nicht geändert: die Bayern-, Hessen-, Franken- oder Württembergallee gibt es heute noch im Westend.    

 

Erwin Barth erdachte 1913 für das  Areal, welches er Volkspark nannte, eine Nachbildung der Geologie, Flora und Fauna der Mark Brandenburg. Ganz im Sinne des Volkspark Gedankens, der den Bürgern erzieherisch und bildend zur Seite stehen sollte, sollten die Städter die Entfremdung zu der sie umgebenden märkischen Landschaft wieder überwinden. Auf Grund des ersten Weltkrieges konnte die Planung allerdings erst zwischen 1919-1922 realisiert werden. 

 

In der Mitte des Geländes befand sich eine ehemalige Kiesgrube mit einigen Kiefern. Ausgehend davon schuf Barth einen Teich mit Sumpfpartien und an der Ostseite ein Replikat der Kalkfelsen bei Rüdersdorf. Von dort speiste ein Wasserfall den Teich. Im Inneren wurden Pflanzen und Tiere aus Brandenburg angesiedelt.  Nach Barths Vorstellungen sollten die Besucher den zentralen Teil des Parks nicht betreten, um das fragile Ökosystem nicht zu stören. Ihrer Erbauung sollten die obenliegenden Wege und Bänke dienen, von denen aus der Blick über den Platz schweifen konnte. Zusätzlich wurde am nördlichen Ende ein Schulgarten errichtet, der 340 Arten von Wild- und Nutzpflanzen aus Brandenburg beheimatete und nach dem botanischen Verwandtschaftssystem angeordnet war. Im Osten gab es einen Pavillon bedacht von Kletterrosen und im Südwesten einen Spielplatz.           

 

Barth beschrieb seinen Entwurf wie folgt: “Sie, die Bevölkerung, will im Häusermeer Grünflächen haben, in welchen sie die reiche Blumen- und Pflanzenwelt in Muße betrachten kann, in welchen die Erwachsenen sich erholen, die Kinder spielen können. Dementsprechend werden für die Kinder Spielplätze, für die Erwachsenen zahlreiche Ruheplätze geschaffen, die mit schönblühenden Sträuchern, mit schattenspendenden Bäumen und vor allem mit wirkungsvollem, abwechslungsreichem Blumenschmuck versehen sind. Man versuchte, die vorgenannten Einrichtungen zu einem künstlerisch-schönen Ganzen mit guter Raum- und Flächenwirkung zusammenzufassen.”

 

Berühmte Anwohner waren Ringelnatz, der dem Platz sogar ein Gedicht widmete „Am Sachsenplatz: Die Nachtigall“, Max Schmeling und Anny Ondra, Paul Hindemith sowie Henny Porten, die aus ihrer Dahlemer Villa hierherzog, da sie sich nicht von ihrem jüdischen Ehemann trennen wollte und somit keine Hausangestellten mehr beschäftigen durfte.       

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Parkanlage leicht beschädigt und 1950 wiederhergestellt. 1960 fand dann ein massiver  Eingriff statt: der Innenbereich wurde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was eine empfindliche Störung der naturgemäßen Lebensgemeinschaften nach sich zog.  Nachdem der Bezirk 2003 die Weiterbewirtschaftung des Lehrgartens einstellen wollte gründete sich die  “Parkinitiative Brixplatz”, die sich um Erhalt und Pflege der Anlage kümmert.

 

Heute ist der Platz und der Garten eine Ruhe Oase im ohnehin etwas gemächlicheren und noblen Westend. Der Geruch der Kiefern lässt einen an Südfrankreich denken und an manchen Stellen hat man das Gefühl im Wald zu sein und nicht auf einem innerstädtischen Gartenplatz. Eine Entenfamilie schwimmt im Teich, Frösche quaken und neben den üblichen Standvögeln Krähen, Amseln, Meisen und Spatzen fühlen sich auch das scheue Rotkehlchen sowie Buchfinken und Stieglitze wohl - ein schöner Ort!       

 

Brixplatz / Bus 104 Brixplatz – U2 Olympia-Stadion  

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Rufus Katzer (Sonntag, 03 Juni 2018 18:29)

    Der Brixplatz und seine Gärtnerinitiative - wundrschön, dass es solche gemeinschaftsstiftenden Bewegungen auch jenseits von Berliner Hinterhöfen noch gibt. Auch wer noch nie von Erwin Barth gehört hat, kann die bleibende Schönheit und Orginalität dieses Parks frohen Herzens einfach genießen. Charlottes Entdeckungsreisen und ihre Wißbegier führen uns immer wieder zu neuen Überraschungen im Berlkin abseits des Besucherrummels.

News

Berlin in der Revolution 1918/19 – 09.November 2018-03.März 2019

Die Aufnahmen der Pressefotografen, insbesondere der Gebrüder Haeckel und von Willy Römer, erzählen fotografisch von der Revolution 1918/19. Ihre Aufnahmen sind auch als historische Quellen zu lesen, die etwa erkennen lassen, dass nicht nur Arbeiter und Soldaten Akteure der Revolution waren. Zugleich wird auf den Film wie auf die Unterhaltungskultur im Winter 1918/19 eingegangen, um ein authentischeres Bild von den Revolutionsmonaten und der bestehenden Parallelwelt zu vermitteln. Denn die teils kriegerische Gewalt gehörte ebenso dazu, wie die Lust an den Vergnügungen. Alle Infos – hier

Berlin 18/19 – 23.November 2018 – 19.Mai 2019

Die Sonderausstellung im Märkischen Museum widmet sich den Geschehnissen der Novemberrevolution in Berlin und ihren bis heute sichtbaren Nachwirkungen. Was passierte nach dem 9. November 1918 an der Spree? Wie sah der Revolutionsalltag der Berlinerinnen und Berliner aus? Welche Vorgeschichte hatte der Januaraufstand von 1919, und warum wurden im März desselben Jahres ganze Stadtviertel zum Bürgerkriegsgebiet? Die Sonderausstellung zeigt das großstädtische Leben in der Revolutionsphase und beleuchtet die Hintergründe der Gewalteskalation. Alle Infos - hier

 

Französische Filmwoche 28.November – 05.Dezember 2018

 

Auf dem Programm der Französischen Filmwoche 2018 zahlreiche Deutschlandpremieren französischer und frankophoner Filme. Zum 18. Mal wird die Französische Filmwoche zu einem Forum der Begegnung und des Austauschs. Alle Infos – hier