Kollwitz Platz

Über den Kollwitzplatz ist eigentlich schon alles gesagt worden – Epizentrum des Latte Macchiato Bürgertums, das Symbol der Gentrifizierung und Verdrängung, Heimat der links-alternativ-akadamischen Süddeutschen. 

 

Persönlich habe ich zum Kollwitzplatz eine besondere Beziehung; mehr als sechs Jahre habe ich von 1994 an in der Restauration 1900 gejobbt, Freunde fürs Leben gefunden und verloren, mich verliebt und wieder getrennt. Damals waren das Viertel und der Platz aber ein völlig anderer Kiez als heute; seit 2000 hat sich die Bevölkerung zu ca. 90% ausgetauscht und die Menschen, mit denen ich damals dort lebte, nennen inzwischen Pankow, Hohenschönhausen oder Wedding ihr zu Hause.

 

1875 als Wörther Platz angelegt, Schmuckplatz eines gründerzeitlichen Wohngebietes auf dem Prenzlauer Berg, wurde der Platz 1947 zu Ehren der sozialistischen Bildhauerin Käthe Kollwitz, die mit ihrem Mann, dem Arzt Karl Kollwitz jahrzehntelang im Viertel lebte und wirkte, umbenannt. Wie Kreuzberg war der Prenzlauer Berg ein Arbeiterviertel der Kaiserzeit mit allen einhergehenden Problemen und heute nicht mehr vorstellbaren Zuständen. Im Zweiten Weltkrieg blieb das Viertel weitestgehend von Schäden verschont, wurde aber in der DDR auch nicht modernisiert und entwickelte sich mit seinen unsanierten Wohnungen mit Ofenheizungen und Etagentoiletten zu einem Treffpunkt der Alternativen und Dissidenten. Für die 750-Jahr-Feier Berlins 1987 ließ die DDR-Staatsführung einige Straßenzüge um den Kollwitzplatz historisierend rekonstruieren, um den Staatsgästen den sorgsamen Umgang mit der Geschichte der Stadt zu demonstrieren. Auf der Mitte des Platzes befindet sich nicht nur ein Spielplatz, sondern auch eine 1961 aufgestellte Skulptur von Gustav Seitz basierend auf einem Selbtsportät von Käthe Kollwitz.

 

Heute ist der Kollwitzplatz das Zentrum eines der teuersten Wohnviertel Berlins. Und - trotz aller Vorbehalte - man kann sich dem Charme und der Schönheit des Platzes nicht entziehen; die Architektur ist mächtiger als alle Klischees - man darf das Treiben einfach nicht zu ernst nehmen. Donnerstags und samstags ist Markt; man isst hier natürlich regional, saisonal, biologisch und wer wissen will, was in Punkto gesunder Ernährung la dernier crie ist, der wird es hier schnell herausfinden. 

 

Prenzlauer Berg / U2 Senefelder Platz oder Eberswalder Straße – Tram M2 Knaackstraße 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

News

Historische Führung: Vom Krematorium zum Kulturquartier Silent Green – 05. und 25. Mai 2018

Das ehemalige Krematorium Berlin-Wedding gehört zu den denkmalgeschützten Gebäuden in Berlin und spiegelt die Stadtgeschichte auf einzigartige Weise wider. Zwischen 1909 und 1910 als erstes Krematorium der Stadt erbaut, zeugt das Gebäude seit über einem Jahrhundert vom Wandel der Bestattungskultur in Deutschland. Inzwischen ist es Heimat des Silent Green Kulturquartiers. Mehr Info zu den Führungen – hier.

Festival Black International Cinema – 11.-13.Mai 2018

Gezeigt werden Filme aus Afrika, der afrikanischen Diaspora und Beiträge mit interkultureller und internationaler Thematik. In diesem Jahr kommen die Filme aus Sierra Leone, den USA, Senegal, Deutschland, Madagaskar, Belgien und der Schweiz. Mehr Infos – hier. 

1988: 13.April – 03.Juni 2018 FHXB Museum

Das Jahr 1988 wird heute als Prolog zur Wende verstanden. Der Fokus der Ausstellung liegt auf Ereignissen in Berlin und in Polen, zwischen den Streiks der Solidarność und den Auseinandersetzungen  der linksalternativen Szene mit dem Berliner Senat. Mehr Infos – hier.

Die Nächte des Ramadan – Ramadan 2018 ist von 15.Mai-14.Juni 

Der Ramadan – die Zeit des Fastens und nächtlichen Feierns – liefert in zahlreichen Städten der Welt den Anlass für kulturelle Veranstaltungen nach dem allabendlichen Fastenbrechen. Neben den „Ramadan Nights“ in London und Tokio und „Les belles nuits du Ramadan“ in Paris sind auch in Berlin Die Nächte des Ramadan inzwischen fest im Kulturkalender verankert. Mehr Infos – hier

Die 1. Generation: Bildhauerinnen der Berliner Moderne  - 18.02-17.06.2018 Georg Kolbe Museum  

Mit Sophie Wolff, Käthe Kollwitz, Milly Steger, Marg Moll, Tina Haim-Wentscher, Renée Sintenis, Christa Winsloe, Emy Roeder, Jenny Mucchi-Wiegmann und Louise Stomps formierte sich Anfang des 20. Jahrhunderts eine erste Generation von freischaffenden Bildhauerinnen in Deutschland, die von ihrer Kunst leben konnten und auch Anerkennung bei Kunstkritik und Publikum fanden. Mehr Infos – hier.

Die Schönheit der Großen Stadt – ab 23.02.18 Museum Ephraim Palais

Ob „Spree-Athen“ oder urbane Metropole – es geht um die äußere Erscheinung der Stadt Berlin und die dahinter verborgene Schönheit, für die Malerei die Augen öffnen kann. 120 Berliner Bilder zeigen, wie Künstler von Gaertner bis Fetting „Die Schönheit der großen Stadt“ gesehen haben. Infos – hier

Welcome to Jerusalem – 11.12.2017-30.04.2018 Jüdisches Museum

Aktueller kann eine Ausstellung kaum sein. Welcome to Jerusalem befasst sich mit der geschichtlichen Relevanz Jerusalems und ihrer Wahrnehmung der Stadt durch Einwohner und Touristen. Denn Jerusalem ist ja nicht nur für verschiedenste Glaubensrichtungen ein spirituelles Zentrum, sondern hat als Hauptstadt Israels auch eine wichtige politische Bedeutung. Infos hier.