Man muss in Berlin ja eigentlich nicht mehr dazu sagen – aber nun - ursprünglich diente das Gelände des heutigen Volkspark Rehberge als militärisches Übungsgelände. Und, der Vollständigkeit halber: am benachbarten Plötzensee befand sich zu Zeiten des Kaiserreiches eine militärische Badeanstalt.

 

Das Gebiet des heutigen Volksparks war Teil des Waldgebietes Jungfernheide, einem von Flugsanddünen geprägten und bis nach Spandau reichenden großen Areal, das ursprünglich Nonnen aus dem Kloster Spandau gehörte. Den südlichen Teil kennen wir als Volkspark Jungfernheide.     

 

Aber nicht nur das Militär fand hier Beschäftigung, auch Sandfuhrleuten dienten die Rehberge als Materialquelle. In  mühsamer Handarbeit schaufelten sie den sogenannten "Witten Sand" frei, denn nur dieser war brauchbar als Streu- und Scheuersand für die Dielenböden in den Berliner Wohnungen. Harte Zeiten!

 

Zu Beginn des 20sten Jahrhunderts plante der Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck auf dem Gelände einen sogenannten Zukunftstierpark, einen Zoo, dessen Landschaftsgestaltung sich an den Herkunftsländern der Tiere orientieren sollte. Allerdings verhinderte der Ausbruch des ersten Weltkrieges die Ausführung. Was von den Plänen geblieben ist, sind die Straßennamen im Afrikanischen Viertel: diese stehen repräsentativ für die Länder und Städte der deutschen Kolonien in Afrika, aus denen Hagenbeck die Tiere beschaffen wollte.

 

In der Kälte und Not des ersten Nachkriegswinters holzten die Berliner den vorhandenen Baumbestand fast vollständig ab. Erst als der freifliegende Sand die Gesundheit der Nachbarschaft zu schädigen drohte und zudem die Abholzung immer weiter kommerzialisiert wurde, schritten die Berliner Behörden ein. War ursprünglich geplant, auf dem Gelände ein Wohnquartier zu errichten, gab man diese Pläne aber bald wegen Geldmangels wieder auf und beauftragte den Stadtgartendirektor Albert Brodersen einen Volkspark zu errichten. Planung und Finanzierung in Zeiten der Notstandsgesetze zogen sich allerdings so lange hin, dass erst Brodersens Nachfolger, der uns inzwischen sattsam bekannte, Erwin Barth ab 1926 mit dem Bau beginnen konnte. Barth setzte die Pläne Brodersens allerdings eng um – die Rodelbahn mit stattlichen 17 Metern Höhenunterschied zum Beispiel ist ihm zu verdanken.          

 

Im Rahmen eines Notstandsprogramms arbeiteten fast 1.200 Arbeitslose von Februar 1926 bis Ende Mai 1928 an der Errichtung des Parks; es dauerte dann aber noch bis 22. Juni 1929 bis der Park offiziell eröffnet wurde.

 

Die vorhandene eiszeitliche Landschaft aus Flugsanddünen und einer eiszeitlichen Rinne, dem Langen Fenn, nutzte Barth um daraus drei Seen zu gestalten: den Möwensee, den etwas kleineren Sperlingssee und den mit dem Sperlingssee verbundenen Entenpfuhl. Im Norden des Parks wurde eine gartenkünstlerisch durchformte Kleingartenanlage errichtet – die erste Dauerkleingartenanlage in Berlin und eine der ersten in Deutschland. Darüber hinaus legte er ein Leichtathletikstadion, ein Fußballstadion - heute Heimat des „BSC Rehberge 1945“- an, Tennisplätze, eine große Spielwiese und mehrere kleinere Wiesen, ein Luft- & Sonnenbad, einen Tanzring und eine Freilichtbühne mit 3.500 Sitzplätzen, heute das Freiluftkino Rehberge, eines der größten Berlins.  

 

Barth wollte die Arbeiter und ihre Familien am Sonntag an die frische Luft locken; er fand – sicherlich zu recht – sie bräuchten mehr davon. 

Aber auch die naturnahen Parkteile vernachlässigte er nicht. Es gibt heute noch knapp 24 Kilometer Wege, einer davon Höhenweg genannt, der sich in Bögen auf die höchste Erhebung empor windet. Auf diesem Punkt schließt eine Ahornallee mit dem Rathenaubrunnen bzw. Rathenaudenkmal ab. Ideengeber dafür war der damalige Berliner Oberbürgermeister Gustav Böß, der Georg Kolbe beauftragte, ein Denkmal zu erschaffen. Aber Kolbes Entwurf kam beim Rat zunächst nicht sonderlich gut an; er hatte keine seiner berühmten Skulpturen geschaffen, sondern einen völlig abstrakten Entwurf eingereicht. Er fand an dieser Stelle müsse monumental gebaut werden, damit die Kunst nicht untergeht. Im Oktober 1930 wurde das von der AEG finanzierte Denkmal schließlich eingeweiht. Säulen mit Bronzereliefs von Emil und Walther Rathenau säumten den Eingang, ein paar Stufen erhöht stand ein Brunnen. Wie eine Schraube spannte sich eine Spirale nach oben und ließ das Wasser von außen nach innen gleiten.

 

Hinter dem Brunnen befand sich die 300 Meter lange Rodelbahn, die hier ihren Anfang nahm. An deren Ende führten Wege zu den Tiergehegen; bis heute gibt es dort Rehe, Mufflons, Wildscheine und eine Fasanerie.  

 

Aber nochmal zurück zu Rathenaus Denkmal: man braucht nicht viel Phantasie, um zu erahnen, daß dieses Kunstwerk den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge war. 1934 ließ man die gesamte Anlage abtragen und platzierte stattdessen ein Schillerdenkmal von Reinhold Begas auf dem Platz. Es dauerte bis 1987 bis eine Reproduktion an gleichem Platz errichtet wurde. Leider ist es total „Graffiti“ verschmiert – man würde sich das wirklich gerne anders wünschen.  

 

Der Volkspark mit seinen knapp 80 Hektar ist groß genug, dass sich die Besucher nicht gegenseitig auf die Füße treten. Es gibt sonnige und schattige Flecken, Bänke und Wiesen, und ein Hundeauslaufgebiet am Rande des Parks. Jeder findet seinen Platz in dieser eigentlich fast nie überlaufenen Grünfläche. Man merkt halt wieder, dass man nicht mehr in der Mitte der Stadt ist. Einiges, wie der Tanzring ist heute Ruine, anderes wie die Rodelbahn und die Freilichtbühne haben die Zeitläufte überstanden und sind noch in Betrieb.  

 

Manko: der Flughafen Tegel ist nah und die startenden Flugzeuge sind hier noch sehr niedrig. Mich hat es nicht gestört, aber geräuschsensiblere Menschen können das sicherlich ganz anders empfinden. Trotzdem – an einem schönen Tag definitiv den Ausflug in den Wedding wert.     

 

Transvaalstraße - Afrikanische Straße  / U6 Rehberge oder Afrikanische Straße – Bus 221 Otawistraße   

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