Lesendro

Ein montenegrinisches Fischrestaurant am Kollwitzplatz am Samstagabend – ich muss sagen, ich war etwas skeptisch vor meinem Besuch. Aber, ich bin eines besseren belehrt und ganz besonders glücklich darüber, dass das Zweitlokal von Vladimir Kosic - das Kafana in Wilmersdorf - nicht weit von meinem Zuhause in Schöneberg entfernt ist; mein Besuch dort ist seit gestern Abend fest geplant.

 

Aber zurück zum Lesendro. Seit vier Jahren gibt es das Restaurant am Kollwitzplatz; ein relativ kleiner Raum, am Eingang ein Klavier, gelbe Wände, ein paar Bilder von Fischen sowie ein paar Buddelschiffe - schlicht ist das Ambiente aber nicht ungemütlich.

Die Karte bietet einen Querschnitt der Fisch- und Meeresfrüchteküche der Adria und mischt traditionelle Rezepte mit neuen kreativen Wendungen. Die Vorspeisen unterteilen sich in warm und kalt und bieten alles, was die mediterrane Küche so ansprechend macht: Carpaccio von verschiedenen Fischen, Salate, Muscheln, Risotto und natürlich Fischsuppe.

 

Wir starteten mit Bouillabaisse und Oktopuscarpaccio. Ursprünglich handelt es sich bei der Bouillabaisse ja um ein Gericht, das die Fischer mit Fisch zubereiteten, den sie nicht verkaufen konnten, also eigentlich Hausmannskost. Die Provenzalen erheben darauf die Urheberschaft aber die Fischsuppe findet sich in fast allen Küchen rund ums Mittelmeer. Und Arme-Leute-Essen ist sie auch nicht mehr - Tempi passati - heute gehört die Bouillabaisse zu den teuersten Gerichten, die man in einem guten Restaurant zum Beispiel in Marseille bestellen kann; sie ist so verfeinert, dass sie sogar mit einem eingedickten Fischfond und mit Schalen- und Krustentieren zubereitet wird. Im Lesendro wählt man den Mittelweg; es gab Muscheln und Garnelen aber natürlich auch Fischfilets in der Bouillabaisse. Die Qualität des Fisches war hervorragend, der Fond war kraftvoll und nicht zu sämig. Das Carpaccio war hauchzart und saftig und mit kleinem Salatbeet sehr ansprechend.

 

Bei den Hauptgerichten wählten wir Buzara, ein Gericht aus Riesengarnelen und Muschelvariation sowie gegrillten Oktopus mit mediterranem Gemüse. Das an der gesamten Adriaküste sehr beliebte Gericht Buzara ist eigentlich ein relativ einfaches Essen: Tomaten, Oliven, Semmelbrösel, Knoblauch und Weißwein bilden den Fond für die Muscheln. Der Oktopus hatte einen gut austarierten Geschmack von Rauch – ein schöner feiner und kräftiger Genuss. Auch hier zeigte sich wieder exemplarisch: die Güte des Grundproduktes bestimmt die Qualität des fertigen Gerichtes. Wenn dann noch gastronomischer Verstand und Leidenschaft dazukommen, stimmt die Leistung mit den Ansprüchen überein – sehr zur Freude des Gastes.

 

Die Weinkarte ist relativ klein und bietet neben Vertretern der klassischen Anbaugebiete auch interessante Positionen aus Serbien. Lassen Sie sich beraten – mit den Empfehlungen kann man schöne Entdeckungen machen. Der Service ist versiert, sehr freundlich, ungeheuer aufmerksam und kompetent und gerät auch an einem Samstagabend mit vollem Haus nicht ins Schlingern.

 

Das Lesendro ist uneingeschränkt zu empfehlen. Ausgesprochene Fischrestaurants sind in Berlin ja relativ rar, dazu die serbisch-montenegrinische Gastfreundschaft – eine gelungene Kombination. Danke für den kleinen Urlaub im tristen Berliner Winter. Wir sehen uns bald – nicht nur in der Bruchsaler Straße - wieder.

 

Knaackstraße 45 – Prenzlauer Berg / 030 2885 5003 / Mo-Fr 18:00-23.00, Sa & So 12:00-23:00 / www.lesendro.de / U2 Senefelder Platz – Tram M2 Knaackstraße / Preise €€

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