Benannt nach dem deutsch-französischen Dichter Adalbert Chamisso wurde das heute unter Denkmalschutz stehende Gebiet rund um den Chamissoplatz zwischen 1877 bis 1890 im spätklassizistischen Stil erbaut. Der Platz wurde 1887 vom damaligen Berliner Gartendirektor Hermann Mächtig gestaltet und es wirkt zynisch einen solch schönen Platz anzulegen, wenn man bedenkt, welche Zustände in den Häusern in der Kaiserzeit geherrscht haben – es gab unendliches Elend, aber von Außen sah es zumindest schön aus.

 

Wie so viele Berliner Mietskasernen, die in den Arbeiterbezirken errichtet wurden, waren auch am Chamissoplatz die Verhältnisse unmenschlich, die Häuser völlig übervölkert und die sanitären Verhältnisse katastrophal. Zweite und dritte Hinterhöfe mit ihren engen Schächten ließen kaum Sonnenlicht in die kleinen Wohnungen, geschweige denn Luftaustausch oder Frischluftzufuhr zu. Die Bewohner litten unter ansteckenden und tödlichen Krankheiten, die Kinder spielten im Dreck.

 

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Chamissoplatz  durch seine Nähe zum Flughafen Tempelhof  weniger zerstört als andere Gebiete in Berlin. Und bis Mitte der siebziger Jahre passierte hier dann auch irgendwie nichts: es wurde nicht abgerissen aber auch nicht saniert. Preiswerte Mieten lockten die „ Kreuzberger Mischung „ an – Studenten, Lebenskünstler und türkische Migranten. Es gab Etagentoiletten, kaum Bäder in den Wohnungen und Kohleöfen.

 

In den 1980er Jahren legte der Senat schließlich ein Sanierungskonzept vor, dass für viele Bewohner nach Luxussanierungen und Verdrängung roch. Es bildeten sich Mieterräte und es gab die ersten Hausbesetzungen. Dennoch wurden peu a peu alle Gebäude saniert. Die verbesserte Wohnqualität verbunden mit Privatisierungen führten schließlich zu Mietenexplosionen, Bewohnerwechsel und Gentrifizierung.

 

Heute ist der Chamissoplatz eine sehr beliebte Wohnadresse und hat nichts von seiner Schönheit und Erhabenheit eingebüßt. Man ist hier grün-liberal und trifft sich am Samstag auf dem ökologischen Bauernmarkt, während die Kinder unter den Ahornbäumen spielen. Es geht ruhig, lässig, aber auch gediegen zu, nur wenige Schritte von der immer mehr zum Ballermann verkommenden Bergmannstrasse.

 

Kreuzberg / Chamissoplatz / U7 Gneisenaustraße – U6 Platz der Luftbrücke     

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